Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Wunderbare Welt

Geschrieben: 1990-08-23

Als ich letztens auf einem Friedhof war, sah ich eine Art kleines Mausoleum, welches sehr interessant war. Auf den Stufen des tempelartigen Baus saß eine lebensgroße steinerne Frauengestalt, welche den ganzen Oberkörper und den Kopf zum Innern des Tempels umwandte; Gestik und Gesichtsausdruck brachten die Trauer um die verstorbene Person deutlich und beinahe ergreifend zum Ausdruck.

Das Bemerkenswerte und Ausdruckstärkste dieses Trauermals war jedoch ein auf der Wange der steinernen Frau befindlicher, tränengleicher Taubenschiß.

Mögen andere diesen geradezu ideal platzierten Taubenschiß pathetisch Gotteswerk, Vorsehung, Wunder oder großartig Zufall nennen, ich genoß es und machte meine Begleiter einfach begeistert und lächelnd auf dieses phantastische Kunstwerk des Moments aufmerksam, wissend, daß soetwas hin und wieder zu passieren pflegt...

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