Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Rambazamba in Rumtata

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 2013-06-17/19

Vorwort

Das Saufen und Raufen ist eine schlimme Angewohnheit, was man aus der Heldenreise von Pillepalle und dem Watschensepp lernen kann. Möge das Schicksal der beiden Antihelden dem geneigten Leser zur Lehre gereichen.

Wie aber ist ihr Verhalten in Abhängigkeit von ihrer allgemeinen Lebenssituation zu beurteilen und sind sie nicht vielleicht doch nur Opfer einer kalten, rücksichtslosen Gesellschaft, die sie an den Rand gedrängt hat, statt sie innig an die liebende Brust zu drücken? Haben nicht auch all jene versagt, die nicht auch die andere Wange hingehalten haben, sondern den beiden keine Chance gegeben haben, ihre Wünsche und Sehnsüchte zu erfüllen?

Oder aber ist es doch so, daß jeder selbst für seine Taten verantwortlich ist, weil in einer 'normalen' Gesellschaft immer ausreichend Beurteilungskriterien verfügbar sind, damit ein jeder unabhängig von seiner Vergangenheit und seinem aktuellen Umfeld beurteilen kann, ob sein Handeln konform mit den gesellschaftlichen Regeln ist und insbesondere anderen nicht direkt schadet? Letzteres ergibt sich ja bereits ungefähr aus der Fähigkeit des Menschen, sich in andere hineinzuversetzen, woraus sich eine Übertragung ergibt, was man nicht möchte, daß einem selbst zugefügt wird, wird man auch bei anderen unterlassen und was bei anderen erkennbar Mißfallen auslöst, wird von diesen nicht als angemessen eingestuft werden, wie man auch selbst nicht als angemessen einstufen wird, was man mit Mißfallen beurteilt.

Das klassische, stereotype Motiv der Heldenreise ist ja ein stark männlich dominiertes Erzählmuster, in welchem es zudem oft um sinnlose Gewalt und Streit um wertlosen Tand geht. Die Helden und deren Gegner streiten sich meist um irgendwelchen Blödsinn oder um hochgesteckte Ideale und Vorstellungen und verlieren dabei nur zu oft ihre Menschlichkeit. Auch Pillepalle und der Watschensepp fühlen sich in diesem männlichen Stereotyp sehr wohl und füllen es mit ihren eigenen Möglichkeiten möglichst gut aus, weil sie sonst nichts zu tun haben und sich damit auch lieber um ihre eigentlichen Probleme herumdrücken. So kann denn ihre Reise letztlich nicht wirklich überraschen, aber gleichwohl schockieren, wie sie ihre Mitmenschen sehen und behandeln, wie Helden eben oder Abschaum, der sich dafür hält.

Einleitung

Als Einleitung zu dem Buch würden Pillepalle und der Watschensepp dem Leser erstmal ein Schnäpsken und einen Porno zum Runterkommen empfehlen. Da hat man was Handfestes und mit ein etwas Feuerwasser sieht alles gleich ein wenig rosiger aus.

Menschen mit einem besser ausgeprägten Sozialverhalten würden das zumeist nicht empfehlen, einfach weil es letztlich nicht helfen wird.

1. Anreise

Pillepalle brach also dann endlich auf. Alles hatte sich etwas verzögert, denn morgens war er einfach nicht aus dem Bett gekommen, so hatte er erst spät gefrühstückt. Zwar rief das Wochenende, er aber legte sich nochmal hin und war wieder eingenickt.

Dann raffte er sich doch auf. Rumtata erschien ihm zu verlockend nach all dem Frust in der Woche. Seine Ex, die olle Schlampe rief doch jeden Monat wieder wegen Knete an, jetzt schickte sie sogar schon Typen vom Amt. Da konnte er nur bitter lachen. Als ob bei ihm noch was zu holen wäre. Und dann der Knatsch mit dem Chef, der alten Dumpfbacke, der besserwisserische geizige Sklaventreiber. Das war alles etwas reichlich. Selbst für einen harten Burschen wie ihn war das starker Tobak, dicke, ungelöffelte Suppe, schlechtes Karma oder wie die indische Tante hieß, die nicht mehr losließ, wenn man sie erstmal am Stecken hatte.

Es war Wochenende und das mußte für irgendeinen Schnickschnack genutzt werden. Der Verein hatte ja auch schon Sommerpause, also weder Heimspiel noch Auswärtsspiel, keine Randale weit und breit in Sicht. Da gab es nicht so viele offene Optionen.

Aber es mußte mal wieder richtig Dampf abgelassen werden, Stimmung gemacht werden. Naja, wie eigentlich jedes Wochenende, was sollte Pillepalle sonst die ganze Zeit anstellen? Er war doch entschlossen, am Kelche des Lebens nicht nur zu nippen, wie all die Spießer, er wollte ihn bis zum Grunde leeren. Egal ob süß oder bitter, die pure Menge war Trumpf.

Und dann wurde ihm im heimatlichen Kaff nur diese Ödnis geboten und seine Ex, das dumme Stück war auch noch abgehauen, um sich von so einem esoterischen Heini abzocken zu lassen, der schon puren Blödsinn absonderte, wenn er nur ausatmete, geschweige denn etwas sagte. Sie durchschaute den einfach nicht, obwohl der geistige Dünnpfiff von dem Burschen schon wieder so Dicke kam, daß man glauben konnte, sein Verdauungsapparat sei verkehrt herum und all die Fäkalien würden direkt im Hirn ausgeschieden. Er hätte nicht für möglich gehalten, daß man sich selbst ins Gehirn scheißen kann, aber bei dem Kerl gehörte das zum normalen Denkprozeß, wenn man davon überhaupt reden konnte.

1.1. Alte Freundschaft

Kurz vor Rumtata traf Pillepalle dann endlich den Watschensepp, seinen alten Kumpanen und Kupferstecher, der schon früher aufgebrochen war und dafür entspannter schlenderte. Der hatte es auch nicht leicht, spätestens seit ihn seine alte Mutter, die widerliche Hexe, aus dem Haus gejagt, einen Nichtsnutz geheißen und schließlich sogar bei der Trachtengruppe denunziert hatte. Die schrullige Alte hatte ja nie ein gutes Haar an ihm gelassen und machte ihn jeden Tag runter. Da hatten sie auch noch eine Rechnung offen, aber der Tag würde schon noch kommen.

Einstweilen war der Watschensepp bei seiner Schwester untergekommen, aber er kam mit ihrem Stecher auf keinen grünen Zweig, ein Anzugfutzi von der Bank. Daß seine Schwester aber auch mit so einem asozialen Typen ankommen konnte, der paßte gar nicht zu ihr mit seiner steif nach oben gereckten Nase, daß da bei Regen fast das Wasser reinlief. Der Stecher gab vor, vom neuen Geldadel zu sein, sein Porsche war aber auch noch längst nicht abgezahlt und Geburtstag feierte der auch nur auf Pump und Hypothek zum Mitarbeitersondertarif. Bei der Schwester vom Watschensepp stand der unterm Pantoffel. Und wenn die wollte, wickelte sie den um den kleinen Zeh und ließ ihn vor ihrer saftigen Quelle dürsten, wenn er nicht spurte. Das hatte die schon drauf, ließ ihn mal zappeln und dann wieder ran, wenn er artig war.

Der Watschensepp und der Frackschleimer in einem Haus - das konnte nicht lange gutgehen, bis es da richtig knallte. Aber dann würde auch seine Schwester den Watschensepp an die frische Luft setzen, raus aus der Kellerbutze von dem schmucken, viel zu großen Haus, was auch nur auf Pump von der Bank geborgt war. Und so ein Diel hielt nur, solange es lief bei dem Schlitzohr von der Bank, der den Rentnern dubiose Fonds auf Provision andrehte.

Der Watschensepp hatte einen ganz harten Klumpen Zorn im Bauch und der flackerte manchmal recht heimtückisch bis zu seinen Augen heraus, daß einem schon der Atem stocken konnte, wenn man ihn nicht genauer kannte. Und wenn man ihn genauer kannte und das böse Flackern sah, hielt man besser Abstand und sorgte sich um jeden Atemzug, der einem noch blieb.

Natürlich gab es stantepede Ärger und Händel und Pillepalle bekam gleich eins aufs Haupt. Aber so mußte das sein unter Kumpels. Und da ließ sich Pillepalle nicht lange bitten, sondern konterte. So einen Hieb an die Mütze ließ sich Pillepalle natürlich nicht gefallen und polierte dem Watschensepp gleich einmal die Kronjuwelen. Aber das war nur Spaß unter Freunden.

So schlugen sie sich und rauften eine Weile fort, um sich erstmal angemessen zu begrüßen, bis ihnen wieder einfiel, daß sie ja beide nach Rumtata wollten, um einen drauf zu machen. Ein gemeinsames Ziel schweißt zusammen und so schritten sie mächtig voran, dem Abenteuer entgegen. Auf dieser Heldenreise wollten sie erneut beweisen, was für Kerle sie doch waren. Durstig nach Leben, nach Zoff eilten sie voran, darin waren sie sich einig. Das sollte nicht nur kribbeln, das sollte richtig kesseln und beißen. Ihre dumpfe Wut und ihr wahlloser Zorn suchten ein Ventil.

1.2. Zechkumpanen

Also los dachten sie, bevor ihnen die anderen noch alles wegtranken - obgleich sie das für nahezu ausgeschlossen hielten, denn sie beide waren ja die größten Zecher im Bezirk, vor denen bislang noch jeder ehrfürchtig hatte den Kopf beugen müssen. Richtig zu saufen war eine Kunst. Man schüttete das Zeug nicht einfach in sich rein. Man mußte eins sein mit Stoff, mit ihm schwimmen, um nicht unterzugehen. Und in der Hinsicht schwammen sie nicht gegen den Strom.

Das war auch der Grund, warum sie nicht mehr mit der Karre unterwegs waren. Die olle Flitzerblitzer-Zicke von der Trachtengruppe war auch hinten ihnen her. Die hätte sie nur zu gern in ihr Rohr blasen lassen, die fette Zippe. Sie lachten, da wuchs doch schon Moos, da hatte doch schon seit Jahrzehnten keiner mehr geblasen, wenn überhaupt - sie schauerten bei der bloßen Vorstellung und eilten weiter.

Der Watschensepp wäre ihr letztes Jahr beinahe mal ins Netz gegangen, aber sie waren schneller und über einen Landweg und durchs Feld entkommen und hatten die schlaffe Titte so verblüfft, daß die wohl nicht einmal das Nummernschild notiert hatte.

Und dann kam da was im Cabrio entgegen, eine Blondine, der die lange, lockige Haarpracht nur so im Winde flatterte. Spontan fing der Watschensepp heftig an zu gestikulieren und fuchtelte herum, tänzelte, daß es eine Freude war. Das kam überzeugend an, denn die Blonde bremste, nicht nur, weil auch Pillepalle auf der Straße stand und den Epileptiker machte. Der Watschensepp war auch gleich von der richtigen Seite am Cabrio dran und bewunderte gleich einmal intensiv die Auslage der Lady, die auch sonst recht kokett oder kokott drapiert war - die hatte mächtig was zu bieten, weswegen der Watschensepp den rutinierten Kenner mimte und gleich beherzt zugriff, um auf Echtheit oder Silikon zu prüfen. Die Lady aber returnierte sogleich mit einer brennenden Ohrfeige und stieß ihn empört zurück. Der Watschensepp nahm die feuerrote Backe wie eine Liebkosung an und grinste frech. Statt sich an seiner Teilnahme zu erfreuen und die unverhofft neue Bekanntschaft gebührend zu würdigen, zog die Lady gleich eine Weinflasche aus ihrem Einkaufskorb neben sich auf dem Beifahrersitz und warf sie fluchend, daß ihr Balkon nur so wackelte, nach dem Watschensepp, der den Kopf aber reaktionsschnell zur Seite zuckte, weswegen die Pulle nicht ihn traf, sondern erst ohne größeren Schaden anzurichten an Pillepalles Kopf vorbeischrammte und dann dumpf gegen einen Baum knallte und entzwei sprang, daß die Teile in den Graben flogen und der Geruch von Wein verströmte. Das ging schon mal gut ab mit dem Weib, deutete das nicht Interesse an, spontane Seelenverwandtschaft?

Die Lady aber gab Vollgas und kratzte die Kurve. Spontan verneigte sich da der Watschensepp mit weit ausladender Armbewegung, um ihr Respekt zu zollen. Die hatte was, nicht nur die üppigen Silikonstoßdämpfer, die hatte auch Feuer im zweifelsohne ebenfalls drallen Hintern. Spontan schloß sich Pillepalle seiner Geste an, ebenfalls den mystischen Augenblick der Seelenverwandtschaft mit der Blonden tief in sich aufnehmend.

Doch das hatten sie irgendwie vergeigt, hätte aber ein guter Spaß werden können mit der Lady. Mal was anderes wäre das gewesen. Im Cabrio mit dem Silikonvämp wäre schon eine Maßnahme gewesen. Aber die hinterließ nur eine Staubfahne - und Tschüssken! Außer Spesen nix gewesen! Hasta la vista Senjorita!

Das war trotzdem schon einmal ein vielversprechender Auftakt. Sie lachten über den derben Spaß und zogen weiter nach Rumtata, wie sie die Stadt immer nur nannten, denn in ihrem Kaff war ja nichts los und in Rumtata konnte man ordentlich Rambazamba machen, die Sau rauslassen oder auch Fünfe gerade sein lassen, den Bartel den Most holen lassen, den Papst mit Samthandschuhen boxen lassen. Was immer ihnen einfiel, in Rumtata schien es dafür Möglichkeiten zu geben.

2. In Rumtata

Das war jetzt bis Rumtata auch zum Latschen nicht so weit, das ging schon noch. Und der Weg machte ja auch durstig und die Fliegenplage in diesem Sommer machte sie auch schon mal heiß auf Streß.

In Rumtata kehrten sie gleich in eine Kneipe ein, wo sie noch kein Hausverbot hatten. Das war dann natürlich das 'After Shave', eine Schwulenkneipe.

2.1. Im 'After Shave'

Nachdem sie erstmal ein paar Schnäpsken gezischt hatten, legten sie es gleich auf Ärger mit dem Schönen Kurt an, der an der Bar saß und sichtlich den Eindruck zu erwecken suchte, für alle Alternativen offen zu sein, weswegen unter anderem auch diverse verschiedenfarbige Tücher wie zufällig aus seinen Gesäßtaschen drapiert waren. Der ließ sich auch wirklich gleich schön p(r)ovozieren. Der schöne Kurt vermochte auf ein fröhliches, literatur- und ortsbezogenes 'Leck mich im Arsch' nur mit einem lustlosen 'Du kannst mich mal' returnieren. Das war jetzt schon etwas enttäuschend von dem Humanhöhlenforscher. Das war ein hervorragender Paß von Pillepalle gewesen und die Tunte vergeigte es mit einer blöden Erwiderung. Da hätte man besser mit Hinweis auf das Gesäß sowas wie 'Durch diese hohle Gasse muß er kommen' returnieren sollen, das wäre akzeptabel gewesen und hätte von einer humoristischen, selbstreflektierenden Interpretation des situativen Kontextes gezeugt, so aber schüttelte Pillepalle nur den Kopf, das war nicht einmal originell. Weder entsprach das überhaupt Pillepalles Neigung, noch schien ihm diese Erwiderung von ausreichendem kulturellem Niewo zu sein, um das Wortgefecht verbal fortzuführen und schlug sogleich etwas anderes vor, daß sich der Schöne Kurt gleich auf Schwanzhöhe krümmte, aber der kannte es ja nicht anders.

Der Schöne Kurt bekam dann aber umgehend Beistand vom HolgerOursch und dem Lutscher Ludger, die wohl unter Kontrolle behalten wollten, wer da was in den Schönen Kurt reinstecken durfte oder wo dieser drin zu lecken befugt war. Die kamen gleich herbeigesprungen, die bescheuerten Tussis, ohne zu wissen, auf was oder mit wem sie sich da einließen. Da kam gleich Stimmung auf und es ging richtig gut ab. Das war mal ein ganz anderes Ringelpietz mit Anfassen in der Spelunke für Fäkalbohrer und Rumpelstilzchen.

Das ging alles Ruckzuck und die schwitzigen Analarbeiter bekamen mal ordentlich aufs Maul statt ins Maul und auch ihre nutzlosen Kronjuwelen wurden reichlich tuschiert und nicht nur zum Spaß unter Freunden. Da ein Ellenbogen und dort das Knie hin, das ging alles ganz automatisch, bis die Kloakenstecher ihnen zu Füßen lagen und ihnen wie Göttern Respekt zollen mußten. Pillepalle und der Watschensepp fühlten sich wie die Könige der Welt und traten hier und da noch mal nach, wo es noch einer an hinreichenden Unterwerfungsgesten mangeln ließ oder auch nur mal so aus Spaß. Das waren jetzt keine wirklich ernstzunehmenden Gegner gewesen, nur urinale Warmduscher.

Im Grunde waren sie auch etwas neidisch auf die Pussies hier, die immerhin einen Weg gefunden hatten, ohne das Weiberpack auszukommen. Offen hätten sie diese merkwürdige Sympathie natürlich nie zugegeben. Diese Analhelden waren einfach vom ganz anderen Ufer als sie, da gab es keine Brücke, konnte keine Freundschaft geben. Aber immerhin kickten sie nur noch mal gnädig und aufmunternd auf die derzeit nicht mehr ganz so strammen Rektalakrobaten ein, die sich die sonst so stoßfreudigen Lenden hielten und die strammen Schenkel dicht an den Körper gezogen hatten.

Weil der Wirt Langer Willi nach längerer Schockstarre doch unter seinem Tresen vorkroch und seine Schrotspritze vorzeigte, zogen es Pillepalle und der Watschensepp dann vor, zügig das Weite zu suchen. Von dem alten Sack wollten sie sich nicht den Stecken mit Schrot in den Hintern rammen lassen. Wahrscheinlich ging dem Freizeit-Proktologen nur noch mit der Knarre einer ab. Und da wollten sie nur ungern im Wege stehen.

Immerhin hatten sie so die Zeche prellen können. Und wie Pillepalle stolz präsentierte, hatte der ehemals schöne, jetzt angeditschte Kurt zwar etwas unfreiwillig, aber doch üppig aus dem Pottmonnee, was zu verlockend aus seiner Gesäßtasche lukte, für den weiteren Verlauf des Abends gespendet.

Damit war der Abend jedenfalls schon einmal gut angelaufen und die weitere Finanzierung gesichert, falls sich löhnen nicht vermeiden ließe. Die beiden zogen weiter, auf zu neuen Abenteuern, noch nicht eroberten Spelunken und Löchern des Städtchens. Der Abend war noch jung und bot noch Stunden für weitere Kurzweil für die beiden Kumpels. Und dank der nunmehr üppigen finanziellen Ausstattung boten sich ganz neue Möglichkeiten.

2.2. Im 'Feuchten Sumpf'

Sie kehrten dann auch gleich in Susis 'Feuchten Sumpf' ein, fröhlich mit den eroberten großen, schwulen Lappen wedelnd.

Was hier so für Schnepfen kreuchten und fleuchten, ging sie schon mehr an. Wie sich gleich herausstellte, ein ganz erlesenes Etablissmong mit allem Schisselaweng und mit recht feschen Stuten, auch von auswärts, die man zwar nicht verstand, die aber für einen gewissen Obulus wohl für alles offen zu sein schienen und beim Anblick des Scheinebündels gleich pflichtgemäß reges Interesse zeigten. Es gab allerdings auch noch den Ernsten Werner, der nicht nur ein Auge darauf hatte, daß hier alles glatt flutschte.

Immerhin, die Prickelbrause schmeckte Pillepalle und dem Watschensepp gar nicht so schlecht, also ließen sie es sich gutgehen. Und Zindi und Schandtall waren auch den ganzen Abend recht nett, hüteten sich aber davor, an der Prickelbrause zu nippen, die Pillepalle und der Watschensepp gleich hatten mit Schnäpsken verfeinern lassen.

In der Nacht entschlossen die vier sich dann zu einem Scharmützel in einem Sepparee, um mal diesen oder jenen Stich zu wagen. Der Watschensepp war sogar etwas gerührt, daß man das Plüschkabuff extra nach ihm benannt hatte. Erstmal mußten die Mädels auch wegen des Alkohols den Burschen die Säbel etwas aufpolieren und zum Gefecht blasen. Dann aber ging es hoch her. Die beiden zeigten sich standfest und auch gleich, wer die Hähne im Stalle sind und daß bei ihnen der Hammer nicht hängt. Vielleicht spielte dabei auch ein weißes Pülverchen eine Rolle, welches im Voraus zu zahlen war. Das machte sie hellwach und klar im Kopf und schnell wie ein Panther auf der Hatz und richtig angewendet machte es sogar ihre Schwänze zu eindrucksvoll langanhaltend harten Prügeln, oder lag das doch an den blauen Bonbons, die ebenfalls gereicht worden waren? Da pulsierte jedenfalls das Leben und quoll fast aus den angeschwollenen Adern auf der Stirn wieder heraus. Da war nicht nur die Prickelbrause spritzig aufgelegt. Mit den Schnicksen konnte man schon prima schnacksen. Alle amüsierten sich aufs Köstlichste.

Irgendwie hatten sie die Mädels dann plötzlich ans Bett geschnallt, ihre Köpfe tief in die Kissen gedrückt. Nach der Fraternisierung war dann doch wieder eindeutige Distanzierung angesagt. Daher beschlossen sie, sie ein wenig zu schänden. So nahmen sie die durch zu viele Schwänze schon ausgeleierten Pussies hart und rammelten sie tief mit nahezu leeren Prickelbrausepullen, erst den schmalen Hals der Pulle voran und dann auch mutig mit der breiten Seite zuerst, denn der Hals der Pullen war deutlich griffiger zum Anfassen und stoßen. Und weil sie schon einmal dabei waren, stopften sie auch gleich je eine Pulle hinten rein, auch in Gedenken an ihr kleines Abenteuer im 'After Shave'. Das ging alles flott von der Hand, bis in den erbärmlichen Schlitzen der Nutten ein Feuer noch für Tage brannte.

Die Weiber waren ja letztlich doch alle dasselbe Pack, es ging nicht ohne und erst recht nicht mit. Als es langweilig wurde, steckten sie dann aber doch die vereinbarte Knete, vom schwulen Hintern des nun allerdings nicht mehr ganz so Schönen Kurts stammend, tief in ihre wunden, nuttigen Schlitze und schoben noch je eine Salzstange als Dreingabe hinterher. Denn die beiden Mädels hatten sich das ja auch durch selbstlosen Einsatz verdient, räumten sie fairerweise immerhin ein. Zwar hatte das eine Luder Pillepalle bei der Aktion in die Hand gebissen, aber irgendwie gefiel diesem auch das Wilde, Ungezähmte daran und entlohnte das nur mit einem deftigen Striemen über ihren knackigen, runden Hintern, der ihr als Andenken erhalten bleiben sollte. Den Striemen hatte er wacker mit dem bloßen, schmuddeligen Fingernagel tief durchs pralle Fleisch gezogen, daß das Mädel nur so aufjauchzte.

Danach mußten Pillepalle und der Watschensepp nur noch sehen, wie sie am Ernsten Werner vorbeikamen, der offenbar nichts davon gemerkt hatte, daß die beiden seine Hühner wohl etwas über Gebühr rangenommen hatten. Das ging aber leichter als gedacht, als der Watschensepp versehentlich einen feinen Pinkel anrempelte, der sich auch gleich wie bekloppt eschoffierte.

Das war nicht besonders schlau, aber er eschoffierte schon los, bevor er die Chance hatte, dem Watschensepp auch nur in die zornigen Augen zu gucken, sonst wäre er sicher still geblieben. Auf bekloppt stieg der Watschensepp natürlich gleich drauf ein und bezugnehmend auf den Namen der Lokalität murmelte er nur eben einen Kommentar über die Zuständigkeit des Schlipsträgers über seinen Orbit, das gehe diesen einen feuchten Kehricht an. So eskalierte die Angelegenheit recht zügig, auch weil ein paar Kumpels von dem feinen Pinkel jetzt erkennen ließen, daß sie das was anging.

Da konnte natürlich auch Pillepalle nicht nein sagen und langte ordentlich zu, daß die Fetzen flogen und das Blut nur so spritzte. Das traf sich recht gut hier und brachte die Stimmung schnell auf den Siedepunkt. Die feinen Spesenritter mußten jedenfalls so richtig einstecken, und dabei auch noch deutlich mehr als sie vertragen konnten.

Wie sie so ihre blitzeschnellen und eleganten Pirruetten mit den völlig überforderten Bürohengsten drehten, kamen sie sich vor wie diese Zeitlupensamurai, Eisprinzessinnen oder auch Primaballerinas, wie geflügelte Götter, fast schon ein wenig tuntig, was sie mit ein paar noch härteren Schlägen aber gut zu kompensieren vermochten.

Der Ernste Werner fand das dann gar nicht sooo lustig mit all dem Blut, den Zähnen und dem anderen weggeflitschten blutigen Zeug auf dem guten Plastikplüsch und beschloß einzugreifen, vielleicht auch weil inzwischen jene Pussies auf Sirenen umgeschaltet hatten, die sie eben noch so sorgfältig malträtiert hatten.

Nachdem den Ernsten Werner auch noch versehentlich ein Nasenstüber von Pillepalle getroffen hatte, hatte er die Nase voll - und nicht nur voll Blut - und zückte den Witwenmacher, ein kleines, aber feines, scharfes Messer mit einer geriffelten Klinge und so einem Surrweiwellzeug-drumrumunddran (für nur 49,99 Ocken ein unwiderstehliches Angebot für jeden ambitionierten Jäger und Hobby-Räinscher) und suchte damit seiner Argumentation mehr Gewicht zu verleihen. Mit diesem Aufschneider konnte er vielleicht einen geweihgeknickten Hirsch mit lahmem Hinterlauf beeindrucken, nicht aber Pillepalle und den Watschensepp.

Natürlich spritzte jetzt das Blut noch viel mehr und es ging wieder richtig rund, daß die feinen Pinkels schnell blaß in der Ecke lagen. Die waren nun nicht mehr nur von den Mädels ausgelutscht. Die hatten es vollkommen hinter sich, den letzten Stich gelandet, das Besteck ausrangiert, das vornehme Rektum zugekniffen, aus die Maus und leer das Scheckbuch des Vatters. Die zahlten nicht mehr aus und bestellten keine Prickelbrause mehr. Die letzte Zeche mußten sie schuldig bleiben.

Zwar hatte auch der Ernste Werner gut zugelangt, mußte sich aber dann doch dem Watschensepp aufgrund einer zertrümmerten Nase und eines eingetretenen Schienbeins geschlagen geben. Zudem war ja auch die eine Schulter ausgekugelt und die Hand des anderen Armes mit dem Witwenmacher am Oberschenkel eines kalten Pinkels fixiert. Das war letztlich passiert, als der Watschensepp dem Ernsten Werner den Witwenmacher wegnehmen mußte, denn das war dann doch gefährlich in dem Getümmel. So dearrangschiert mußte der Ernste Werner einstweilen den beiden Respekt zollen, ihren Lauf gelten lassen und einräumen, daß sie beeindruckendere und schlagkräftigere Argumente für ihren Standpunkt vorgebracht hatten. Er hatte den bösen Zorn in Watschensepps Augen gesehen und würde das nicht mehr aus seinem Hirn herausbekommen. Das hatte sich eingebrannt wie eine vergessene Kippe auf dem Plüschsofa.

Aber Ehre den Besiegten, dachten sie. Ein anständiger Kampf forderte auch Respekt und so streuten sie statt Asche aufs Haupt oder Erde ins Grab mangels geeigneteren Materials nur gesalzene Erdnüsse über die Besiegten und segneten sie noch mit einer halben Pulle schaler Prickelbrause, die noch wo rumstand und erst nach heftigem Schütteln mit Daumen drauf noch einigermaßen abspritzte.

Jetzt kam erstmal die Analyse des Spielverlaufs mit Manöverkritik. In der Gesamtbilanz hatten sie sich hervorragend geschlagen. Der Watschensepp hatte nur ein paar Kratzer und Beulen abbekommen, dazu einen ordentlichen Brummschädel, ob durch einen Schlag oder durch die Prickelbrause mit Schnäpsken, konnte er nicht mehr zuordnen, insgesamt aber nicht der Rede wert. Das meiste Blut an seinen Klamotten war jedenfalls nicht das seine. Bei dem Turnier hatte Pillepalle auch keinen Volltreffer einstecken müssen, nur diesen oder jenen kleineren Stich bekommen. Der Watschensepp hatte es ja gleich geahnt, daß das mit dem Witwenmacher ein unlauterer Vorteil vom Ernsten Werner war. Das war nicht so ganz schäntelmännleik abgelaufen, da waren sie sich nun sicher und einig.

Aber die piekfeinen Schwachmaten hatte es schlimmer getroffen, die aber auch zu herumliegendem Besteck gegriffen hatten, was nun im Resümee ebenfalls als nicht ganz regelkonform eingestuft wurde. Man mußte schon höllisch aufpassen, mit was für einem Pack man sich abgab. Daß die kalt in der Ecke lagen, war ja nicht der Plan, aber wie sich so ein Turnier eben entwickelte - und mit dem Witwenmacher und dem Besteck war eben der Einsatz gestiegen, da mußte dann jeder nach dem Spiel selbst sehen, wie er mit einer Gabel im Auge, einem Messer in Brust oder Bauch noch zurechtkam, das war letztlich ihr Problem nicht. Im Grunde hatten die vornehmen Jungs sich selbst ins Abseits manöveriert, die rote Karte verdient. Daß sie aus dem Spiel genommen wurden, vom Platz gestellt, war nur eine naheliegende Konsequenz.

Sie mußten dann doch trotz durchschlagendem Erfolg den Rückzug antreten. Das hier war nun ihr Problem nicht mehr. Denn Abgenibbelte würden mittelfristig Ungemach bedeuten, wenn sie sich nicht rechtzeitig und ausreichend distanzierten. Die Trachtengruppe zog der süßliche Blut- und Verwesungsgeruch an wie die Fliegen, darauf konnte man sich verlassen. Zwar waren das nicht die schnellsten, aber wenn das Turnier entschieden war, pflegten die zielgenau aufzuschlagen wie die Aasgeier. Und dann würde irgendein Kommissär mit Tränschkot dumme Fragen stellen, auf die man keine plausible Antworten geben konnte, denn man kannte die piekfeinen Datenschubser ja gar nicht näher, hatte nur kurz und flüchtig Kontakt und hätte kaum was dazu sagen können, warum die sich ausgerechnet hier entschlossen hatten abzunibbeln. Man kannte das ja aus dem Fernsehen, was die für dumme Fragen stellen konnten und wie sie einem aus jeder belanglosen Antwort einen Strick zu drehen versuchten, nur weil man zufällig dabei stand oder nicht rechtzeitig den Bus genommen hatte. Solch Unterhaltung hätte ihnen nicht konveniert. Und wenn diese Kommissäre schlecht drauf waren, landete man für längere Zeit bei Kost und Logis im staatlichen Pensionat und konnte für Jahre nur noch an gesiebter Luft partizipieren - und wer will das schon. Dem Morgen graute ja auch bereits und die ganzen Perlhühner hatten sowieso schon längst den Stall verlassen. Der Sumpf war sozusagen trockengelegt oder doch besser ausgeblutet.

Als Beleg und Trophäe ihres Triumpfes steckten sie dann noch schnell jeder ein Schnapsgläschen voll mit blutverschmierten Zähnen und mit dem Logo des Etablissmongs drauf ein. Das hatte schon was, da war eine Graphik von der Susi drauf zu sehen, wie sie breitbeinig ihren Feuchten Sumpf präsentierte. Diese ominöse Susi hatten sie zwar gar nicht persönlich kennengelernt, um ihren Sumpf zu explorieren, aber sie hatten trotzdem eine Trophäe, einen Schatz auf ihrer Heldenreise erobert.

Draußen kippte Pillepalle doch noch aus den Latschen und der Watschensepp stopfte in provisorisch, damit er nicht auslief. Das hätte jetzt gerade noch gefehlt nach diesem ruhmreichen Schlachtefest. Und dabei hätten sie eigentlich wie Heroen im Sonnenaufgang stehen müssen, denn selbst die Sonne segnete sie als Helden mit blutrotem frischem Lichte des neuen Tages.

Doch statt den Augenblick des Triumphes ganz auf sich wirken lassen zu können, mußte sich der Watschensepp erstmal ein paar Sachen nochmal durch den Kopf gehen lassen. Die unverbrauchte, kühle Morgenluft und das greller werdende Sonnenlicht waren irgendwie nicht seins. Ein paar Schläge hatten auch ganz gut gesessen - und was da zum Vorschein kam, nachdem es nochmal durch seinen Kopf gegangen war, roch etwas streng und blutig, aber da war nicht einmal etwas von dem Klumpen Zorn dabei, der immer noch schwer wie ein Granit in seinem Gedärm herumschubberte.

3. Rückreise

Am Morgen ging es dann also irgendwie zurück. Alles hat ein mal ein Ende, nur wenn man am Ball bleibt, geht es ständig rund. Alles in allem eine ereignisreiche Nacht, die ihnen zu Ruhm gereichen sollte, obwohl der Rückzug die kühnen Recken hart anging. Das war der lange Marsch, wenn auch ohne rote Ideologenkladde.

Zuerst mußte der Watschensepp den Pillepalle ja noch schleifen. Sie mußten ja sehen, daß sie weiterkamen, weg von den Kalten. Bei dem schwülen Wetter mußte der Verwesungsgeruch bald einsetzen und die Trachtengruppe anlocken, während sich sonst alle Gestalten des Zwielichts wie auf Kommando in andere Stadtteile zu verdrücken pflegten, um sich ein Alibi zu sichern.

Als Pillepalle aber zu sich kam, ging es dann schneller, denn sie konnten sich beide stützen. Gemeinsam und harmonisch war doch besser, da war nichts gegen zu sagen nach so einer harten Schlacht, solch einer Metzelei. Doch ihre Heldenreise mußte weitergehen. Sie waren fast buchstäblich aus der Unterwelt wieder ans Licht gekrochen, nur widerwillig die Stadt verlassend, über die Landstraße durch die öde Wiesenlandschaft stolpernd und wankend.

3.1. Die Ordnungsmacht

Sie waren schon ganz gut unterwegs, da hörten sie hinter sich Sirenen heulen. Offenbar führte die Trachtengruppe gerade mal wieder ein flüchtiges Wunschkonzert auf und sie hatten das Gefühl, daß ihnen das gewidmet sein könnte. Der Ernste Werner mußte doch noch ins Telephon gepfiffen haben und nicht aus dem letzten Loch, der alte Furch. Und da mußten die Jungs vom Schützenverein gleich die Musikbox aufdrehen, aufstoßen und ins Horn blasen.

Das war nicht nett von Ernsten Werner, dachten sie noch und fragten sich, wohin? Böcke auf Händel mit Bullen hatten sie jetzt nicht. Die Burschen von der Trachtengruppe sollte sich doch lieber ins 'After Shave' verziehen, wenn die schon wo anbandeln wollten. Dort stehen die doch auf stramme Burschen in Uniform und bestimmt auch welche auf Handschellen. Das wärs jetzt noch gewesen, mitten im ruhmreichen Rückzug, beim Wunden Lecken und Regenerieren von den Schanddarmen angegraben zu werden.

Jetzt hätten sie die Blonde mit dem Cabrio gut für eine kleine Spritztur brauchen können. Das war wohl eben die Stelle, wo sie gestern der Lady mit dem üppigen Silikonvorbau Respekt gezollt hatten, was für ein Zufall. Das Leben spielte einem schon lustige Streiche. Sie erinnerten sich gerne an das kleine Intermezzo. So sprangen sie entschlossen in den Graben - oder stolperten vielmehr, denn das war alles weit weniger koordiniert, als man hätte sich das wünschen mögen.

Die Hüter zischten nur so vorbei - iiiiiauuuu dopplerte es, mangels vorhandener Kreuzungen hatten sie inzwischen das Wunschkonzert abgeschaltet und betonten nur noch durch Illumination ihre Einschätzung ihrer Wichtigkeit. Das war also augenblicklich ihr Problem nicht. Die Hellsten waren die vom Schützenverein jedenfalls nicht. Zuerst mit einschlägiger Musik und dann immer noch mit Festbeleuchtung rasend, mußte ja selbst jeder Untote von Weitem auf sie aufmerksam werden. Man kannte sich ohnehin bereits. Ein Wiedersehen tat nun nicht Not.

3.2. Finale Fatale

Dumm war jedenfalls nur, daß der Watschensepp genau in die zerbrochene Weinflasche der üppigen Blonden von gestern gesprungen war. Der Jahrgang war gar nicht schlecht, aber aufgrund eines dummen Zufalls ging dem Watschensepp das tief ans Herz, obwohl er ja sonst stärkeres Zeug gewohnt war. Jetzt flackerte sein Zorn nicht mehr in den Augen und selbst das Gras davor zitterte nicht einmal im Winde.

Pillepalle war auch ganz flau, denn der Watschensepp hatte ihn gar nicht gut abgedichtet und er lief irgendwie doch aus und das Wochenende dann letztlich doch nicht so optimal. Das beunruhigte Pillepalle aber gar nicht so sehr, denn der Kopf brummte und ihm war auch schon ganz kalt und gleichgültig zumute. Es überkam ihn eine eigenartige Leichtigkeit des Seins und all das Wirrwar in seinem Kopf schien sich langsam von ihm zu lösen, ihn freizulassen, weg von diesem Dreck, der nur noch lustlos zwischen seinen Zähnen knirschte. Jetzt erstmal das Nickerchen von gestern fortsetzen, dachte er noch. Nachher sieht alles ganz anders aus, waren dann seine letzten wachen Gedanken ...

Nachwort

Was also lehrt uns die Geschicht? Besser nicht alles auf einmal, saufen, streiten, koksen und herumhuren überfordert irgendwann auch die Besten.

Zum anderen kann man sich fest darauf verlassen, daß es solchen Abschaum immer wieder geben wird, obwohl sie ja ihr Bestes tun, um sich und andere auszulöschen.

Und du Leser? Angewidert oder fasziniert von der kaltschnäuzigen Gewalt und Dummheit der beiden Antihelden? Im Vergnügen geschwelgt, als das Blut nur so spritze und die Menschen gequält und geschändet wurden? Das ist gar nicht gut. Aber Gefahr erkannt, Gefahr gebannt - wer da zu Sympathien neigt, sollte vielleicht doch mal eine Therapie erwägen. Auch da kann man mal so richtig aus sich rausgehen und all die Lasten und Ängste von sich abfallen lassen, ohne damit anderen, unbeteiligten Mitmenschen zur Last zu fallen.

Wenn doch eher angewidert, so muß man den Dingen, den Menschen doch ins Auge, auf die Finger sehen. Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Nicht überall bekommt man Einigkeit und Recht und Freiheit als Vorspeise serviert und es sind auch nicht alle Menschen Brüder und Schwestern, die einfach nur nett zueinander sind. Wenn die Gründe auch vielfältig sein mögen, warum sich die Menschen gegenseitig die Köpfe einhauen, so bringt das einem aktuell Bedrohten herzlich wenig, der möchte einfach nur seinen Frieden wiederhaben - doch ist da der scheinbar einfachste Weg auch eine plausible Lösung, den Aggressor einfach wegzuhauen und damit selbst zum Aggressor zu werden? Trifft wild abreagierte Wut und Frustration nicht auch immer Unbeteiligte, so daß sich die Wut und Gewalt dann potenziert und nur noch mehr unbeteiligte Opfer fordert?

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