Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

gang

Geschrieben: 1991-05-09

ganz in gedanken öffne ich die tür wie jeden tag, trete ein, schließe sie wieder, doch heute ist alles anders. statt in der gewohnten umgebung stehe ich in einem langen gang mit weißen wänden, die tür hinter mir ist verschlossen, nicht mehr zu öffnen, einen weg zurück gibt es nicht. neugierig schaue ich mich um. in regelmäßigen abständen gibt es sich gegenüberliegende schwarze türen in den beiden wänden des ganges, der sich geradeaus in die unendlichkeit erstreckt und in der unendlichkeit perspektivisch zu einem punkt wird, einen horizont gibt es nicht, es geht kartesisch immer weiter. ich trete ein paar schritte vor, drehe mich im kreise, schaue mich um, wobei ich feststelle, daß sich die tür, durch die ich kam, hinter meinem rücken in die andere hälfte dieses unendlichen ganges verwandelt hat. ich staune, gehe unentschlossen zu einer tür, öffne und stehe in einem schwarzen raum, der das einfallende licht vom gang völlig verschluckt, trotzdem gehe ich hinein, taste mich an den wänden entlang und über den fußboden. der raum ist nicht allzu groß, wohl quadratisch, soweit festzustellen und völlig leer. ich gehe wieder hinaus, schließe die tür, gehe in den gegenüberliegenden raum, der exakt die gleichen eigenschaften hat, ich gehe weiter, untersuche das nächste raumpaar mit dem gleichen resultat. ich gehe und untersuche weiter, immer weiter. irgendwann überkommt mich eine tiefe sinn- und ausweglosigkeit. ich sehe schwarz auf einem endlosen weg. aber ich gehe weiter, untersuche systematisch jeden weiteren raum, etwas neues ergibt sich aber nicht. es drängt sich vielmehr die vermutung auf, daß auch alle weiteren räume schwarz und leer sind und daß es mit diesem gang so ad infinitum weiter geht. hoffnungslosigkeit, eine annahme ohne beweis. ich suche weiter nach einem ausweg und finde bislang nur leere und schwarze räume.

Stil: 0  1. 2. 3  4  N  D