Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Die Jagd

Geschrieben: 1989-09-08

Fünfuhrfünfzig: Der Angriff kommt nicht überraschend, die ganze Nacht geht das schon so, der Feind will mich ermüden, doch ich erwache rechtzeitig, von den Ohren alarmiert. Ich mache Licht, suche die Waffe, höre den Feind noch, höre ihn nicht, höre ihn wieder, hinterher.

Meine Ohren sondieren wie Richtmikrophone den Raum, die Augen suchen jeden Quadratzentimeter der Umgebung ab, die Hand krampft sich um die Waffe. Sonst relativ friedlich, erwacht nun der eiskalte Killer in mir, der Jäger sucht sein Opfer, lautlose Stille, abwarten auf beiden Seiten, nichts zu sehen, nichts zu hören, zögernd trete ich den Rückzug an, lasse die Waffe fallen und will schon das Licht löschen, als ich den Feind wieder höre, mit Killeraugen durchdringe ich den Raum, dort, hinten, ja!

Blitzschnell auf das Opfer zugeschnellt und jetzt mit bloßen Händen! Ein Klatschen und die Mücke klebt in einem Blutfleck zwischen meinen Fingern, ich hätte doch besser warten sollen, bis sie sich setzt und die Waffe, das alte Sprachbuch nehmen sollen, dann hätte ich mir die Hände nicht schmutzig gemacht und obendrein noch die Jagdtrophäe direkt an der Wand...

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