Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

das duell

Geschrieben: 1990-06-22

Evariste, in einem Duell gestorben, gewidmet

mitten auf der straße packt Evariste plötzlich jemand an der schulter, reißt ihn herum und fordert ihn zum duell. mit wütender miene und einem eindruck ' starker lebendigkeit sagt diese person zu Evariste, sie wolle nicht länger durch ihn leiden. nahezu das ganze leben habe Evariste sie unterdrückt und ihr leben bestimmt, jetzt wolle sie sich endlich von ihm befreien. er wendet ein, er hätte im prinzip nichts gegen sie, nur zusammen seien sie diesem leben gewachsen, auch wenn sie oft zu auszugleichenden, extravaganten aktionen neige, wolle und könne er nicht ohne sie sein.

die person sieht Evariste zornig an, so sei es immer gewesen, nahezu jedes mal habe er sie daran gehindert, ein leben nach ihren vorstellungen zu führen, schon den kleinsten versuch habe er mit ironischen bemerkungen quittiert oder den kontakt zu anderen durch solche bemerkungen über sie und ihn zu einer unverbindlichen bekanntschaft verkümmern lassen. soetwas wolle sie sich nicht länger gefallen lassen, wolle auch nicht länger diskutieren, was sowieso zu nichts führe, sondern fordere zum duell, gänzlich unüberlegt und spontan, ohne mögliche einwände, vorbehalte, widerspruchsrechte oder nachdenken, nur einmal solle er etwas tun, ohne alles wenn und aber zuvor festzustellen, die folgen seines handelns abzuschätzen, um dann doch zu keiner erkenntnis zu kommen, einmal einfach spontan handeln, sich von sich selbst befreien, einmal keine logischen oder unlogischen einwände gelten lassen, sondern das leben in vollen zügen genießen, und wenn es das letzte mal sein sollte. ein duell, jetzt sofort. nur ein duell sei ein ausweg, verlassen könne sie ihn ja nicht. Evariste erwidert, das sei doch alles dummes zeug, er werde sich nicht duellieren, und mit ihr schon gar nicht, er wolle nicht kämpfen, prinzipiell nicht und mit ihr erst recht nicht, wolle sie auch gar nicht loswerden, obwohl er durch ihren unüberlegten erlebnisdrang schon manchen ärger gehabt habe, aber man müsse sich eben arrangieren.

die person meint, Evariste könne das leicht sagen, da er doch schließlich am wenigsten unter ihrer verbindung zu leiden hätte, während sie gar nicht zum zuge komme, nein, das duell sei nicht zu vermeiden, es müsse jetzt sein, sie halte es so nicht länger aus.

Evariste schüttelt den kopf, "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust..., wie?" deshalb könnten sie gar nicht kämpfen, selbst wenn sie wollten, meint er, sie könnten sich vielleicht die hände abhacken, um ihr handeln zu unterdrücken, doch könne sich niemals gänzlich der erlebende vom analysierenden teil des menschen trennen oder umgekehrt. nur zusammen könnten sie leben, beziehungsweise erleben.

Evariste wendet sich um und geht weiter, damit das weiterleben beider teile auf seine kalte art gewährleistend, hinter sich hört er noch ein verzweifeltes schluchzen, dann sind sie wieder eins.

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