Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Meine Kugel

Geschrieben: 1989-10-04

Und plötzlich schwebte ich schwerelos und frei in einer völlig verspiegelten Kugel mit einer eigentlich gar nicht dazu passen wollenden Fernbedienung in der Hand, welche im Wesentlichen aus drei Knöpfen bestände.

Über dem ersten stände: Kugel innen und außen verspiegelt
Über dem zweiten: Kugel halbdurchlässig verspiegelt, Sicht von innen nach außen
Und über dem dritten: Eigene Kugel entfernen

Den Kopf drehend sähe ich überall mich und überlegte, ob ich die Fernbedienung benutzen solle, die erste Funktion wäre offensichtlich schon in Betrieb, dächte ich mir, die zweite eventuell sehr informativ bezüglich meiner aktuellen Lage, der Test der dritten abhängig vom Ergebnis des Tests der zweiten.

Also probierte ich die zweite und erkennte so weit ich sehen könnte um mich herum außenverspiegelte Kugeln gleichmäßig im Raum verteilt und sich gegenseitig reflektierend, während zuvor ja nur meine mich reflektiert hätte, dennoch erkennte ich schnell, daß die neue Situation gegenüber der alten keine neuen Informationen lieferte, zumal ich ja gar nicht sicher wäre, daß das Gesehene auch wirklich real wäre.

So unterließe ich selbstverständlich den Test der dritten Funktion wegen der potentiellen Gefahr und schaltete die erste wieder ein, worauf ich wieder mich als Umwelt hätte. Doch so dächte ich mir, wenn die potentiellen Bewohner der anderen potentiellen Kugeln ebenso handelten, wie könnten wir jemals etwas über uns gegenseitig erfahren und darüber, was Realität sei. Allerdings fiele mir dann ein, daß auch mit ihnen die Fragen nicht beantwortbar wären.

So bliebe ich in der Kugel und langweilte mich fürchterlich oder wartete bis ein potentieller Jemand die Kugel zerschlüge und mein Spiegelbild in tausend Stücke zerspränge, wonach ich daraufbestände, daß mir dieser potentielle Jemand seine Existenz bewiese, was jener natürlich nicht könnte, worüber ich erleichtert wäre...

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