Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Der Auftritt der Apokalyptischen Reiter

Geschrieben: 1990-12-15

Deutlich erkennst du die Schatten der Vergangenheit neben den Alten mit den weißen Haaren, während sie dir die Bürde auf die Schultern schnallen. Sie geben dir noch - wenn du Glück hast - den alten Wanderstock und ein paar Ratschläge, die sich allerdings nicht grundsätzlich von deinen Verfahrensvorstellungen unterscheiden werden, wie sie die Bürde so lange hatten tragen können, wobei sie noch viel größer wurde. Dann zeigen sie dir mit zittrigen und knorrigen Fingern den einzigen Weg, der gleich hinter dem nahen, mit schwarzen Wolken verhangenen Horizont ins Unbekannte weist.

Du brichst auf, ohne dich noch einmal umzudrehen - es gibt kein zurück, du gehst den Weg.

Hinter dir der Auftritt der Apokalyptischen Reiter, neben dir der Untergang der geschlossenen Weltbilder und die Relativierung angeblichen Wissens, der morsche, alte Wanderstock zerbricht in deiner Hand, im Kopf Gedanken an den nächsten Schritt, vor dir gähnende Leere. Die Bürde wiegt schwer auf deinen Schultern, doch das ist nicht zu ändern.

Kalt spürst du den Hauch der Reiter im Nacken und gehst trotzdem Schritt für Schritt voran - wohin sonst - und vielleicht doch nur im Kreis. Du hoffst, daß Zenon Recht hat, daß sie dich - wie Achilles die Schildkröte - nicht einholen können...

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