Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

wie gnor den idealen und der wahrheit auf die sprünge half

also, ich dachte mir, ich erzähle euch heute die geschichte, wie gnor den idealen und der wahrheit auf die sprünge half, wenn euch das interessiert... ja, interessiert euch das jetzt? doch? dann ist es gut, hätte es euch nicht interessiert, hätte ich es auf jeden fall gelassen, denn sie ist etwas länger und verwickelt, dafür aber nicht besonders wichtig und ernst zu nehmen. aber wir haben zeit, und so werde ich erzählen, da ihr mich nicht davon abhaltet...

als gnor wieder einmal zuhause ist und sich in einem alten, tiefen ohrensessel herumflegelnd, die füße lässig auf dem freien stück eines mit büchern und staub übersähten tisches verschränkend, inmitten von agos' alter bibliothek unter einer die dunkelheit kaum durchdringenden leselampe mit dem schmökern in uralten büchern beschäftigt, kommt irgendwann der alte agos herein und fragt, ob er denn nichts sinnloseres zu tun habe, als hier den staub der vergangenheit aufzuwirbeln, wo die welt doch so groß und voller erlebbarer belangloser abenteuer sei, inzwischen sei er doch wohl alt genug, um zu wissen, daß er als großer raumfahrer da draußen im raum herumirren sollte, nach völlig irrelevanten abenteuern suchend, die welten von tyrannei und wissen befreiend. statt dessen sitze er hier herum, völlig in längst vergessene und überholte bücher vertieft. ob er denn nicht lust habe, eine kleinigkeit für ihn, beziehungsweise für eine gute bekannte zu erledigen. neue abenteuer witternd, springt daraufhin gnor voller elan auf und wirbelt dabei eine ungeheure staubwolke auf, so daß ihn agos hustend am arm faßt und hinausführt, dort erläutert er weiter, eine alte freundin von ihm läge im sterben, ebenfalls eine große raumfahrerin aus den alten tagen, habe sich ja nie ganz von einem abenteuer auf einem eisplaneten erholt; die ganze expedition habe sich damals dort erkältet, vermutlich bei einer wilden orgie mitten im eis, und alle bis auf sie, die ja schon immer sehr robust gewesen sei, seien noch im selben jahr verstorben, wisse man doch, daß es für einen raumfahrer kaum etwas gefährlicheres als eine erkältung gebe, und jetzt, inzwischen alt geworden, gehe es wohl auch bald mit ihr zuende. doch sie habe noch ein dringendes anliegen, welches unbedingt noch erledigt werden müsse. gnor nickt, wenn er dazu in der lage sei, werde er gerne helfen, das sei doch selbstverständlich. so bewegen sie sich durch enge und verschlungene gänge weiter, und agos berichtet, es handele sich um die große raumfahrerin tamata. die große tamata, staunt daraufhin gnor, eines der größten vorbilder aller raumfahrer, eine legende geradezu schon, eine große abenteurerin, er habe gar nicht gewußt, daß sie überhaupt noch lebe, und damit treten sie auch schon in den raum ein, in welchem sich tamata befindet.

selbige, wohl noch etwas älter als der alte weise agos, liegt sichtlich todesmüde in einem bett und strahlt eine große ruhe aus, statt der atmosphäre des todes ist so eher eine des friedens und der gewißheit der endgültigen ruhe durch nicht-existenz zu spüren. sie erkennt die hereintretenden, begrüßt agos und spricht leise, auch gnor erkennend, daß das doch agos' schüler gnor sei, inzwischen auch längst ein großer raumfahrer, es freue sie, daß agos einen so qualifizierten boten so schnell habe finden können, sie sei sicher, gnor sei genau der richtige, um damit fertig zu werden, außerdem habe doch auch er, wie sein ruf sei, so manches liebesabenteuer auf seinen reisen gehabt, so daß ihr von seiner seite auch sicher irgendwelche lächerlichen moralpredigten erspart blieben, besser habe agos es also wirklich nicht treffen können für diesen äußerst delikaten auftrag. sie wolle kurz erklären, um was es gehe.

in ihrer jugend schon habe sie den großen gmuzmul gekannt, den berühmten diplom-philosophen und heutigen weisen, den doch wohl jeder kenne, sie hätten eine ganze zeit lang eine beziehung gehabt, nein, eigentlich sei er ihre erste große liebe gewesen und umgekehrt, und sie seien damals sicherlich eines der glücklichsten liebespaare ihrer galaxie gewesen, aber wie das nun einmal so sei, irgendwann habe es einen heftigen streit gegeben, der denn ihrerseits dazu geführt habe, daß sie eine raumfahrerin geworden sei, er aber habe ihr voller verzweiflung nachgerufen, er wolle nie wieder sprechen, bis sie entweder wieder vereint oder einer von ihnen tot sei, weil worte, leere sprechblasen und auch seine bedeutungslosen reden ihre liebe zerstört hätten, was er dann ja auch tat. gnor solle jenem weisen gmuzmul nun nach ihrem wohl unmittelbar bevorstehenden tode die nachricht überbringen, damit der arme sein schweigen nun endlich brechen könne, denn, wie ja wohl jeder wisse, habe er wirklich bis zum heutigen tage nicht wieder gesprochen, so groß sei seine liebe gewesen, doch ihre liebe sei mit der zeit verblaßt und im wahrsten sinne des wortes auf der strecke geblieben bei ihren vielen flüchtigen affairen im ganzen universum, und sie habe ihn bei ihren gelegentlichen besuchen nicht davon abbringen können, seinen schwur zu widerrufen, jetzt aber solle er erlöst werden. gnor meint dazu, er sei gerne bereit, die botschaft zu überbringen, sollte sie wirklich sterben. da nun die große tamata noch am gleichen tage stirbt, bricht gnor gleich am nächsten tag auf.

jetzt wißt ihr also, warum der weise sein leben lang schwieg, das alles lag nur an seiner liebe zu tamata, die ja tatsächlich in dem ruf stand, in jeder ecke des universums einen liebhaber gehabt zu haben, und wie ihr letzter wunsch zeigte, ging sie wohl nie eine feste beziehung ein, weil sie tief in ihrem innern immer noch an gmuzmul dachte, wie dieser an sie.

nun wollt ihr sicher wissen, wie es gnor auf dieser reise erging, und ich werde es euch gleich erzählen. zunächst kommt natürlich, wie das in solchen geschichten nun einmal so ist, alles ganz anders: mitten im flug wird er von zwei schiffen des langweiligen, aber ungeheuer reichen diktators calig abgefangen, völlig von der eigentlichen route abweichend, wird gnor so gezwungen, den planeten von calig anzusteuern. dort angekommen, wird er gleich zu diesem in ein phantastisches märchenschloß geleitet, wo calig gerade alleine, nur von einigen dienern umrahmt, zu tische liegt und vor sich sämtliche köstlichkeiten seines planeten auf dem tische liegen hat; zögernd schiebt er gerade eine traube in den mund, wobei ihm der goldene lorbeerkranz auf dem kopf etwas verrutscht, und er bei dem versuch, ihn festzuhalten, etwas wein aus dem römer, welchen er gleichzeitig in der hand hält, auf die weiße tunika verschüttet. dieses sehend spricht gnor zu ihm, das sei es, was er schon immer als bild eines dekadenten diktators im kopf gehabt habe, auch seine einladung passe da genau hinein, das sei es gewesen, was ihm schon sein ganzes leben gefehlt habe, was er bisher habe missen müssen, obwohl er doch schon den größten teil des universums bereist habe. etwas irritiert blickt calig auf, dies jedoch übergehend äußert sich der diktator, er brauche unbedingt seinen rat. er sei unzufrieden mit seinem volk, sei es doch offenbar vom fieber der demokratie ergriffen, obwohl er sie doch nur hin und wieder ganz sporadisch unterdrückt habe, ohne große leidenschaft und böswilligkeit, wirklich nur ganz wenig, die ärgsten kritiker habe er nicht einmal beseitigt, sondern nur auf eine einsame insel verbannt. das volk brauche auch nicht zu hungern, er verstehe die unzufriedenheit nicht. gnor wirft ein, daß es dem volk doch wohl nicht ganz so gut gehe wie ihm. nein, erwidert calig daraufhin, das sei auch gar nicht gut für sie, doch lebten sie immerhin auf dem existenzminimum, mehr sei mit ihnen auf diesem planeten nicht möglich, er könne das volk doch nicht in unbegrenztem maße zur arbeit antreiben, so erwirtschafteten sie gerade genug für ihn, damit seine profite im export stimmten, noch mehr arbeit wolle er ihnen nicht zumuten. es sei alles so traurig, woanders könne man viel mehr geld machen. das schlimmste aber sei, daß sie nicht einmal gewaltätig würden, so daß sie ihn wütend genug machten, daß er zuschlagen könnte und die armee einsetzen, welche so völlig unnütz sei. sie machten ihn langsam mürbe mit ihrer langweiligen art des protestes, er habe einfach keine lust mehr und habe genug von diesem volk. inzwischen mache er größere geschäfte mit seinem woanders angelegten geld, als mit dem gesamten schäbigen planeten, er sei es leid. ob gnor nicht wisse, was er tun solle, ob er etwa den ganzen planeten atomisieren lassen solle oder jeden tag nur ein paar einwohner hinrichten, bis sie endlich einen aufstand machten, den er dann niederschlagen könne. gnor überlegt kurz und meint, letzteres sei nicht ratsam und mache bei geschäftsfreunden einen schlechten, sprich, den richtigen eindruck, daß man ein roher barbar sei, vielmehr solle calig sich doch einfach ein neues volk wählen, bevor das volk sich einen neuen herrscher wähle, wo er soviel geld woanders habe, solle er sie zur strafe einfach sitzenlassen und noch zur stunde nach kufa aufbrechen, wo er sich, wie es einem reichen, dekadenten und mit geld vertrauten calig gemäß sei, engagieren könne im kreise seinesgleichen mit echten gegnern. er kenne doch sicherlich kufa, wo sich die widerlichsten kapitalisten des gesamten universums zusammengerottet hätten, wo es noch kampf um das pure finanzielle überleben gebe, wo für ihn abenteuer zu finden seien zwischen totalem bankrott und sagenhaftem reichtum, wo es noch wirklich um geld gehe und nicht um die wirklich wichtigen dinge im leben, wo man noch alles riskieren könne, wenn man etwas habe, dort solle er hingehen. dort könne er noch etwas erleben, dort, wo sich die letzten kapitalisten gegenseitig fertig machten. diese umgebung brauche er, und er werde schnell wieder aufleben. ihm führe man aber zuvor noch die führenden oppositionellen vor, auch ihnen habe er einen rat zu geben, wenn er schon einmal dabei sei. calig ist tatsächlich sehr erfreut und meint, abenteuer, geld, betrug, intrigen und beschiß, das sei tatsächlich das, wonach es ihm verlange, gnor sei ein guter ratgeber, und er werde ihn reich belohnen, was aber gnor energisch ablehnt, er lasse sich nicht kaufen. calig zuckt die schultern, dann könne er ihm auch nicht helfen, genau wie den langweiligen demokraten auf seinem planeten, doch nehme er den rat an, die oppositionellen ließe er sogleich einfliegen, damit gnor nicht länger als nötig aufgehalten werde. er werde inzwischen packen, nur das notwendigste wolle er mitnehmen, so sehr verlange es ihn danach, hier ein für alle male wegzukommen, seine getreuen werde er mitnehmen und mit nur zwei schiffen abreisen. gnor sagt, er wolle dann sogar voranfliegen, damit calig den richtigen weg nehme, worauf sich dieser bedankt. nach kurzer zeit sind dann tatsächlich die führenden oppositionellen eingetroffen. gnor teilt ihnen den entschluß des diktators mit, diese nehmen die nachricht natürlich erfreut entgegen und sind froh, den diktator so billig losgeworden zu sein. sie wollen gnor danken, doch dieser winkt ab, ob sie denn wirklich aufrechte demokraten seien, will er wissen, und sie stimmen energisch zu, er könne sich darauf verlassen, binnen kurzem werde man den planeten wieder auf vordermann bringen, die menschen motivieren und faire und demokratische wahlen abhalten. das sei dann ein sieg der vernunft, es werde recht und ordnung herrschen, freier wettbewerb und nicht allzu soziale marktwirtschaft, und jeden, dem das nicht passe, werde man einfach ausweisen, und es werde alles wunderbar werden, denn in der demokratie sei es am besten. erstaunt weicht gnor vor ihnen zurück, schaut sie zweifelnd an, als ob sie einen scherz mit ihm machten, kommt aber zu dem schluß, daß das tatsächlich ernst gemeint war, und meint, bevor er fortgehe, wolle er ihnen noch etwas wichtiges über die demokratie mitteilen, was ihnen offenbar bisher entgangen sei. auch sie sei ja im besten fall nur die diktatur der mehrheit über die minderheit, außerdem sei etwas nicht deshalb richtig oder wahr, weil eine mehrheit das meine, über die wahrheit lasse sich schlecht abstimmen, und eine abstimmung sei eines der schlechtesten mittel gegen unwissenheit. nur wenn alle einer meinung seien, könne sich nachher wenigstens niemand beschweren, wenn etwas schiefgehe, das sei der einzige vorzug einer abstimmung, das sollten sie immer bedenken, wenn demokratie wirklich ihr anliegen sei. von calig, dem diktator, habe man nicht mehr erwarten können, doch sollte man bei einem neuanfang mehr erwarten als eine befreiung von calig.

gnor hat dann doch noch mitleid mit den demokraten und verspricht zumindest, die hilfsorganisation für unverschuldet in not geratene planeten zu benachrichtigen, was er später auch tat. er fliegt dann umgehend mit caligs zwei schiffen im gefolge richtung kufa ab.

bald erreichen sie dann das sonnensystem des planeten kufa und gnor verabschiedet sich schnell und gerne von dem ehemalige dekandenten dikator und jetzigem kapitalisten noch bevor der planet ganz erreicht ist, weil er keinen fuß auf kufa setzten würde, wo sich ja die schlimmsten kapitalisten zusammengerottet haben in einer fürchterlichen börse, die schon die hälfte der oberfläche des planeten verschlungen hat, und auf dem schleimigste lakaien ohne jegliche soziale absicherung für noch schleimigere und aalglatte geldhaie arbeiten, und ein weiteres viertel des so mißbrauchten planeten von einem vergnügungsviertel eingenommen wird mit den größten spielbanken des gesamten universums. gnor steuert vielmehr den zweiten bewohnten planeten des systems an, einem kleinen, unscheinbaren planeten, auf der sich einige harmlosere kleine unternehmer angesiedelt hatten, um von der nähe zu kufa zu profitieren. gnor kennt dort die familie eines fuhrmannes, der ihm einmal bei einem seiner abenteuer geholfen hatte, und will diese dort kurz besuchen, weil er gerade in der nähe ist. dort erwartet ihn aber auch eine traurige nachricht: der alte fuhrunternehmer war vor kurzem verstorben, und bis vor ein paar tagen hatte man sich nicht darüber einigen können, wie das erbe nun korrekt nach seinem willen zu verteilen sei. der fuhrunternehmer hat vier kinder und diesen in letzter minute ein handschriftliches testament hinterlassen. es sei dann jedoch, so wird ihm berichtet, gelungen, unter zur hilfenahme eines fremden weisen, der zufällig vorbeigekommen sei, die angelegenheit zu bereinigen. gnor bittet darum zu erzählen, um was es eigentlich gegangen sei: das erbe habe aus einem geringen geldvermögen und einundsiebzig raumschiffen bestanden. während das vermögen gleichmäßig aufgeteilt werden sollte, war es der wille des verstorbenen, daß das jüngste kind die hälfte, das zweitjüngste ein viertel, das zweitälteste ein achtel und das älteste ein neuntel der schiffe bekommen sollte, weil sie sich in etwa in diesem verhältnis um ihn und die ebenfalls vor einiger zeit verstorbene mutter gekümmert hätten. darüber aber habe man sich nicht einigen können, weil es sich nicht um ganzzahlige verhältnisse handele und niemand genug geld habe, um die anderen auszuzahlen. der fremde habe wohl davon gehört und sodann habe er seine hilfe gegen ein entgelt angeboten. man sei sich einig geworden und der fremde sei dann wie folgt vorgegangen: sein raumschiff habe er zu den anderen dazugetan und habe dann gemäß dem testament verteilt, 36 schiffe an das erste kind des fuhrunternehmers, 18 an das nächste, 9 an das dritte und schließlich 8 an das letzte, habe dann sein entgelt verlangt und fuhr mit dem übriggebliebenen, zufälligerweise besten raumschiff fort, bevor man noch reagieren konnte. gnor sprach dazu, offenbar habe man es mit einem rafinierten betrüger und kapitalisten zu tun gehabt, also mit jemandem, vor dem man sich besser in acht nehmen solle, denn er habe nicht nur viel zu viel geld für seinen rat bekommen, sondern auch noch sein mittelmäßiges schiff gegen ein besseres eingetauscht. sein rat sei kapitalistisch und schlecht gewesen, weil offenbar das kind, welches die hälfte hätte bekommen sollen, mehr als diese bekommen habe, ebenso wie die beiden anderen mit 18 und 9 schiffen, lediglich jener, der sowieso schon am wenigsten habe bekommen sollen, habe noch weniger bekommen, als ihm ohnehin nur zugestanden habe, dieser kapitalistische trick sei uralt, daß der, welcher sowieso schon am wenigsten bekomme, auch noch zu gunsten der mehr besitzenden um einen teil davon betrogen werde. das sei ausbeuterisch und ganz typisch. was den fuhrunternehmer betreffe, so sei es schon immer seine schwäche gewesen, daß er ohne seinen computer nicht einmal die einfachste rechnung habe durchführen können, doch habe er das schon damals erlebt, als sie sich kennengelernt hätten. damals sei es jedoch von vorteil gewesen, denn durch solche rechenunkünste habe er die leute, die ihn bedrohten, einen moment lang so verwirrt, daß sie sich hätten retten können. gnor gab dann den rat, vermögen und schiffe einfach zusammen mit den angestellten kollektiv zu nutzen, wobei jeder das beisteuern möge, was in seinen fähigkeiten läge. ferner sollten auch sie sich einmal gründlich an den kopf fassen, daß sie nicht selbst bemerkt hätten, daß das testament überhaupt nicht zu erfüllen gewesen sei, was der kapitalist für seine betrügerischen zwecke habe ausnutzen können. das problem eines solchen unerfüllbaren testamentes sei aber alt, vielleicht habe ja auch der verstorbene es gekannt, und habe, um sich einen letzten spaß mit ihnen zu machen, so gehandelt.

da gnor nun schon sehr weit von seinem eigentlichen kurs abgekommen ist, beschließt er, noch einen kurzen abstecher zum planeten ancheg zu unternehmen, weil das nur einen kleinen umweg bedeutet und er eigentlich schon immer wissen wollte, was dort seit seinem letzten besuch vorgegangen war. ich meine, ich hatte sein kleines abenteuer dort schon einmal erwähnt. auf ancheg wurde ja nach einer intervention von gnor der falsche weise gurut vertrieben und bald darauf der erste kommunistische staat ausgerufen. deshalb ist gnor nun sehr interessiert, wie sich die sache dort inzwischen entwickelt hatte. nachdem er gelandet ist, entdeckt er die nicht allzu große bevölkerung des planeten um einen riesigen runden tisch versammelt, in streitgesprächen und diskussionen vertieft. als man sein erscheinen bemerkt, verstummt die runde schnell, ihren befreier offenbar wiedererkennend. sichtlich erfreut wird er begrüßt und schon bald kommt heraus, daß man ein größeres problem hat. schnell ist erzählt wie es den bewohnern von ancheg bisher ergangen war. nachdem man also gurut vertrieben hatte, führte man gegen die noch verbliebenen unverbesserlichen anhänger eine allerdings unblutige revolution, die relativ schnell damit endete, daß letztere ihrem meister hinterherflohen. dann setzte man sich zusammen, und in der ersten einstimmigen abstimmung entschied man sich, den ersten kommunistischen staat auszurufen. seitdem habe man die zeit zum teil damit verbracht, die für das überleben unbedingt notwendigen arbeiten kollektiv zu erledigen, um sich dann regelmäßig um diesen tisch zur kommunistischen versammlung zusammenzufinden, um wie im eigentlichen sinne des wortes gemeinsam zu entscheiden, wie es weitergehen solle - gemeinsam insofern, als natürlich nur einstimmige abstimmungen zu entscheidungen führen sollten, womit sich auch schon das erste und bisher einzige problem des ersten kommunistischen staates ergab. nach der theorie hätte man nach einer endlichen diskussion einen für alle akzeptablen kompromiß erreichen sollen und somit diesbezüglich einen einstimmigen beschluß. das erste thema aber, welches man bisher diskutierte, sei die konkrete form des staates gewesen, den sie so spontan ausgerufen hatten. ob man insbesondere ein gesetzeswerk einführen solle oder doch lieber nicht und inwieweit und mit welchem inhalt wenn überhaupt. das sei auch bis heute einziger punkt der tagesordnung geblieben, doch habe man sich bisher nicht einigen können und sei schon ganz verzweifelt, wähnt man doch schon darin das ende des erst wenige jahre alten ersten kommunistischen staates zu erkennen. ihre ganze hoffnung richte sich nun auf gnor, der ihnen doch bitte vorschlagen möge, was sie in dieser verfahrenen situation tun sollten. gnor lacht, gerade das beschriebene sei doch der von realen wesen praktizierte kommunismus, um einen tisch herumsitzen und zu keinem ergebnis kommen, er wisse gar nicht, was sie daran auszusetzen hätten, das sei doch wunderbar, oder hätten sie schon wirklich ernsthafte probleme oder verbrechen gehabt, die gesetze nötig gemacht hätten? nein, gibt man dem zur antwort, konkrete probleme habe man glücklicher und erstaunlicher weise immer schnell lösen können, und da sich jeder für die gemeinschaft engagieren wolle, habe es eigentlich nie mehr als wortgefechte gegeben. gnor gibt darauf zurück, er wisse also gar nicht, was sie wollten, der ideale staat sei doch wohl grob gesprochen jener, wo keiner des anderen freiheit einschränke. gesetze seien aber potentielle einschränkungen der freiheit, und verstöße gegen eventuelle gesetze zeigten nur fehler des staates auf, denn in einem idealen staat könne es keine verstöße gegen gesetze geben, jedes verbrechen deute also immer auf einen fehler des staates hin, in dem es begangen wurde, sonst gäbe es keinen grund, das verbrechen zu begehen, sprich, einem anderen schaden zuzufügen, ihn in seiner freiheit einzuschränken. zum beispiel zeige ein diebstahl lediglich, daß in jenem staat dem einen menschen dinge zur verfügung ständen, die einem anderen fehlten, also eine nicht den bedürfnisssen der bevölkerung angepaßte verteilung der (produktions-)güter eines staates, deshalb sei auch hier das verbrechen - der diebstahl - nicht nur dem täter anzurechnen, sondern vor allem dem staat, in dem er es begangen habe, dem täter natürlich deshalb unter anderem auch, weil er durch das verbrechen die freie entfaltung des lebens eines anderen eingeschränkt habe, allerdings nur, weil er in einem staat lebe, der so schlecht sei, das dies im rahmen seiner möglichen handlungen war und für ihn vorteile versprach, die es im idealen staat gar nicht gegeben hätte, weswegen dort das verbrechen unterblieben wäre, denn im idealen staat böte die einschränkung der freiheit eines anderen keine vorteile mehr. viel mehr könne er zu ihrem problem auch nicht sagen, außer, daß der ideale kommunismus mit realen wesen kaum anders durchzuführen sei, als wie sie es schon getan hätten, dennoch sei es ja gar nicht schlecht, um einen tisch herumzusitzen und zu diskutieren, zumindest sei das erheblich besser, als es nicht zu tun. deshalb seien sie tatsächlich auch dann ein kommunistischer staat, wenn sie nur um einen tisch herumsäßen und diskutierten, weil sie doch einstimmig beschlossen hätten, einer zu sein, daß danach keine weiteren entscheidungen folgten und das konkrete aussehen des staates nicht hätte näher bestimmt werden können, sei gar nicht schlimm und für die existenz des kommunistischen staates völlig irrelevant. die bewohner von ancheg danken gnor für seine betrachtung des problems und gnor verläßt sie alsbald wieder, deutlich zufrieden mit den zuständen, die er dort vorgefunden hat.

nun endlich fliegt gnor weiter zum eigentlichen ziel seiner reise, zum weisen gmuzmul, um ihm die traurige nachricht vom tode der geliebten, der großen raumfahrerin tamata zu überbringen. gnor landet also auf dem planeten und sieht schon die großen massen von gmuzmuls jüngern, die ihn wie einen heiligen verehren, einen weisen, weil er schweigt und - ihr kennt ja die geschichte - was? ihr kennt sie nicht so genau? also gut, erzähle ich kurz, wie gmuzmul ganz unfreiwillig zum heiligen wurde und zur großen schar seiner jünger kam. erzählt hatte ich ja schon, daß er tamata geschworen hatte, nicht mehr zu sprechen, was er dann auch tat, obwohl tamata mehrmals wiederkam, um ihn davon abzubringen, was aber vergeblich war. der eigentliche grund seines schweigens war nun niemandem außer tamata und gmuzmul bekannt, und so sprach sich nur schnell herum, daß dort auf dem planeten einer im wesentlichen herumsaß und schwieg. den einheimischen tat er leid, und so brachte man ihm regelmäßig nahrung. fremde deuteten das wohl falsch, und es bildete sich die legende, daß gmuzmul ein eremit sein müsse, und wegen seines schweigens ein großer weiser, schließlich hatte man noch nichts von ihm gehört, was falsch gewesen wäre, und so glaubte man bald, daß aus dem munde des weisen gmuzmul nichts unwahres kommen könne, so daß, wenn er einmal spräche, dies von tiefer weisheit und wahrheit sein müsse. bald sammelten sich so immer mehr leute um gmuzmul an, die sich seine jünger nannten und, weil sie nichts besseres zu tun hatten, auf der suche nach der wahrheit und weisheit und dem sinn des universums waren und nun ihre ganze hoffnung auf gmuzmul setzten, daß seine ersten worte ihrem leben einen sinn gäben. dieser schwieg jedoch beharrlich weiter, und seine wachsende zahl von jüngern, nach denen es ihm nicht verlangte, arbeitete für ihn, daß die gemeinschaft und er zu essen hätte und verehrten ihn wie einen weisen mann, dem sie folgen wollten. und dann passierte es! wohl schon lange belästigt von seinen jüngern und sinnsuchenden und der falschen legende um ihn, stand gmuzmul eines tages auf und zeigte mit ausgestrecktem arm und finger in die runde seiner nervenden verehrer und wies sie fort. diese aber mißdeuteten seine geste und glaubten, er habe sie auf etwas hingewiesen, da er eine ganze zeit so stand, unbeweglich und mit flammenden augen, rekonstruierte man aus der richtung, in der er zeigte, einen kurs für ein raumschiff und schickte es in jene richtung fort, zu sehen, auf was der weise gmuzmul habe hinweisen wollen. wie ihr wohl alle wißt, entdeckte man gerade in jener richtung das berühmt-berüchtigte stabile vierersternensystem, welches durch seine existenz die gesamte wissenschaftliche welt erschütterte, denn ihr wißt ja, soetwas sollte es in der realität nicht geben. außerdem ermittelte man zu allem überfluß, das sich gewisse umlaufzeiten wie wurzel aus pi hoch drei zu einer rationalen potenz von e verhielten, und da schien es gewiß, daß dieses gebilde nicht natürlichen ursprungs sein konnte.

die mehrheit von gmuzmuls jüngern sahen darin wie viele andere einen gottesbeweis. innerhalb eines jahres gab es von durchaus ernsthaften wissenschaftlern hunderte von theorien auf dem markt, die das phänomen erklären sollten, bis dann der physiker dr phil dr rer nat duos lapis ankündigte, das ganze sei ein skuriler witz seinerseits, um einige allzu selbstsicher gewordene fachkollegen zu kurieren und zu hirnrissigen theorien zu verleiten, die offenbar glaubten, im besitze der wahrheit über die welt zu sein und alles zu wissen. drei tage später wolle er alles aufklären. nun wißt ihr ja sicherlich, was dann passierte; ein religiöser fanatiker brachte duos lapis um, bevor dieser noch den nachweis darüber bringen konnte, daß dieses vierersternensystem wirklich ein witz von ihm gewesen sei, eine bloße rarität des physikalischen horrorkabinetts. die meisten wissenschaftler waren aber trotzdem davon überzeugt, daß dem so war, da duos lapis ein glaubhafter wissenschaftler war, und es eigentlich auch gar nicht anders sein konnte. für gmuzmul wurde dieser zufall aber zu einer katastrophe. seine jünger waren nun mehr denn je von ihm überzeugt und verehrten ihn nun auch noch als heiligen und erleuchteten. gmuzmul erkannte sofort, daß jede unbedachte handlung von ihm, jedes wort, jeder fingerzeig zu einer weiteren katastrophe führen konnte, und so war es ihm natürlich unmöglich, sein schweigen jemals zu brechen oder dem zustrom von weiteren jüngern einhalt zu gebieten. darüber wurde er alt, und jetzt ist gnor gekommen, um ihm die nachricht von tamatas tod zu überbringen. gnor fragt also nach dem weg, worauf ihm der gefragte jünger antwortet, daß er dann hier richtig sei und nur warten müsse, bis der erleuchtete gmuzmul den weg verkünde oder weise, worauf gnor lächelnd korrigiert, er meine doch den weg zu gmuzmul, worauf der jünger wieder einwirft, der sei oft lang und bei jedem anders, doch mit der zeit finde jeder den wahren weg, das warten zu verstehen, etwas genervt knirscht nun gnor, daß er gmuzmul sofort sehen müsse, worauf ihn einige jünger in sichtweite bringen, worauf gnor sie überzeugen muß, daß er nicht nur gekommen sei, um den weisen zu sehen, sondern ihm auch etwas wichtiges mitzuteilen habe. schließlich gelangt er dann doch noch zu gmuzmul und teilt diesem mit, daß er eine wichtige nachricht von tamata habe. gmuzmuls augen leuchten einen augenblick auf, und der alte erhebt sich langsam und geht in eine kleine hütte, gnor mit einer geste auffordernd zu folgen. dieser berichtet dort von seiner begegnung mit tamata, und nach dieser kurzen vorbereitung teilt er ihm dann auch mit, daß die geliebte verstorben sei. obwohl sich das gesicht von gmuzmul nicht wesentlich bewegt, sieht man ihm an, wie getroffen er ist, langsam läuft eine träne über seine wange. seine hand fassend, verucht gnor, den alten etwas zu trösten, und so sitzen sie wohl eine stunde oder zwei, gnor fühlt den tiefen schmerz des alten, der ihm schließlich langsam den kopf zuwendet, neben der trauer erkennt gnor darin auch verzweiflung, schiere verzweiflung, mit einer langsamen geste weist gmuzmul auf die jünger draußen und direkt vor der tür, denen nichts entgeht, und gnor versteht ihn und fragt, ob er nicht wisse, wie er jetzt reagieren soll, was mit den menschen anfangen, den verblendeten jüngern und sinnsuchenden, die doch nur auf die leiseste regung von ihm lauerten und werweißetwas dahinter vermuteten. gmuzmul nickt kaum sichtbar und weist auf seinen mund, worauf gnor zustimmend fragt, er wolle einen rat, was er denn nun als erstes sagen solle, ohne eine katastrophe auszulösen, ohne von den jüngern ernst genommen zu werden. wieder nickt der alte langsam und gnor überlegt, wie er dem alten helfen könnte, dann fällt ihm plötzlich etwas ein, und sichtlich erleichtert teilt er dies dem alten mit, gerade kurz bevor tamata gestorben sei, habe agos ihn bei der lektüre eines uralten kleinen büchleins unterbrochen, und dann sei er ja bald aufgebrochen, um tamatas bitte zu erfüllen. in dem buch auf jeden fall sei auch die rede vom kreter epimenides gewesen, und so rate er gmuzmul nun, sinngemäß wie dieser zu sprechen. überrascht blickt gmuzmul ihn einen augenblick an, versteht dann und fällt ihm in die arme, vor erleichterung und schmerz zugleich weinend wie ein kleines kind. bald hat er sich aber gefaßt, steht auf, geht hinaus und winkt sein ganzes volk zusammen und bleibt so reglos wohl eine stunde säulengleich stehen, bis sich alle versammelt haben. totenstille herrscht, als gmuzmul schließlich einen kleinen wink gibt.
laut ruft er über den platz:
"ich bin ein lügner!"
der platz bleibt totenstill und gmuzmul wendet sich gnor zu, und beide verlassen den planeten, noch bevor sich sonst irgendjemand geregt hat. gmuzmul bittet gnor, ihn von dort wegzubringen, zur toten tamata zu fliegen, was dieser auch tut.

gmuzmul blieb dann inkognito beim alten agos und lebte noch viele jahre glücklich, in der bibliothek noch viele bücher lesend und mit jedem über philosophie disputierend, den er nur zu fassen kriegen konnte, denn schon bald hatte er sich von seiner trauer um seine geliebte erholt, nicht zuletzt, weil er so kräftig über die dummen gesichter seiner jünger lachen mußte, daß dies den größten kummer bald aufwog. noch oft, wenn ich wieder bei agos war, saßen wir zusammen und gmuzmul nickte mir zu, gnor, weißt du noch, wie sie schauten, als ich ihnen die so lange verschwiegene wahrheit sagte, und dann spielte er die szene vor, wie er den erleuchteten mimte, mit epimenides' worten im mund, an dem ein ganzes volk von jüngern erwartungsvoll hing...

ihr aber wißt nun, was es wirklich mit gmuzmul auf sich hatte, glaubt nur nicht die anderen geschichten und legenden über ihn, daß er etwa von gott zu sich genommen worden sei, direkt eine himmelfahrt, wie seine jünger es später verbreiteten.

Stil: 0  1. 2. 3  4  N  D