Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

wie gnor das fürchten lernte

... na gut, ihr habt ja recht, es ist schon lange her, daß ich euch ein geschichte erzählt habe - da bin ich wohl mal wieder dran. mal schauen, was mir da einfällt.
ihr kennt das ja vermutlich, wenn nicht aus eigener erfahrung, dann von personen aus dem bekanntenkreis. insbesondere in der jugend hat mann das bedürfnis zu imponieren, sich selbst zu beweisen, die eigenen grenzen zu erkunden, ja die eigene furcht zu überwinden, zu zeigen, daß man(n) keine angst kennt.
und ehrlich gesagt - mir ist es auch einmal so ergangen, als ich jung war und erst ein paar raumfahrten hinter mir hatte.

es gibt ja auch zahlreiche raumfahrer, die behaupten, sie hätten vor nichts angst - und da kann ich nur sagen, daß diese eigentlich für den beruf des raumfahrers völlig ungeeignet sind - denn das universum besteht ja zum größten teil aus nichts - fast überall ist leere, vakuum, nichts eben - und wer bereits davor angst hat, hat eigentlich in der raumfahrt nichts verloren - zumindest wenn die angst nicht überwunden wird. früher nannte man diese phobie horror vacui. heute weiß man längst, daß nichts, vakuum für den menschen wirklich gefährlich ist. aber die gefahr ist gut beherrschbar, man kommt damit zurecht.
ja ganz allgemein ist das beherrschen der angst eine große kunst - beherrscht man die eigene, sie trotzdem als warnsignal ernst nehmend, kommt man besser im leben zurecht. beherrscht man die angst anderer, kann man diese bei bedarf ausgezeichnet mit den eigenen marotten terrorisieren. aber darauf komme ich gleich noch zu sprechen.

womit hatte ich angefangen? oh ja, die jugendlichen mutproben.
unter raumfahrern gibt es da eine streng verbotene aber doch eine von den mutigsten oder leichtsinnigsten ab und an durchgeführte, bei der wohl auch um die zehn bis zwanzig prozent der raumfahrer tödlich verunglückten. es geht dabei um den großen raumknoten von ayari.
oh - ihr wißt nicht, was ein raumknoten ist?
na details sind da recht kompliziert, gründen tief in der allgemeinen relativitätstheorie und sind auch nicht so wichtig für den fortgang der geschichte.
ihr wißt ja, daß die masse den raum krümmt und wohlmöglich auch umgekehrt. auch die zeit ist betroffen. besonders viel masse auf engem raum krümmt letzteren gar sehr. zum beispiel bei einem schwarzem loch gibt es derart viel masse auf einem fleck, daß der raum so stark gekrümmt wird, daß er in sich zurückläuft statt weiter in die ferne hinaus. nicht einmal das licht findet dann wieder hinaus, wenn es erst einmal zu dicht an eine solche masse herangekommen ist. es muß einfach auf geschlossenen oder sich zusammenspiralenden bahnen um die masse herumsausen und ist gefangen. nicht nur der raum, auch die zeit wird so arg gebeutelt. kurz: in so einer ecke des universums geht alles durcheinander. aber das ist alles noch einigermaßen durchschaubar, wenn man nur weit und breit ein schwarzes loch hat. bei zwei dicht benachbarten schwarzen löchern, die sich wegen ihrer großen massen rasend schnell umeinander drehen, wird raum und zeit schon richtig heftig durchgequirlt.
bei jenem raumknoten von ayari gibt es jedoch mehrere paare von solchen doppelsystemen, so daß sich wiederum paare umeinander drehen und paare von paaren - ein richtiges schreckensballett, ein graziler tanz gigantischer kräfte. zeit und raum werden dort schon richtig durchgemixt und man wundert sich, daß die schwarzen löcher überhaupt selbst noch wissen, wo und wann sie sind - nebenbeibemerkt gibt es eine theorie, nach der man davon ausgeht, daß aufgrund von quanteneffekten die schwarzen löcher das wirklich nicht mehr so genau wissen und nur aufgrund dieses wissensdefizites nicht in chaoticher weise aufeinander zustürzen können und sich gegenseitig zermixen und zermahlen oder aus dem knoten hinausschießen können.
aus der sicht eines raumfahrers ist es auf jeden fall extrem gefährlich, durch das gebiet hindurch zu transformieren, denn dabei sollte man ja immer ganz genau wissen, wann man wo ist - und vor allem weit genug weg von solch arg raum und zeit krümmenden monstern.
normaler weise macht man also einen großen bogen um diese ecke des universums, nicht so jedoch die abenteuerlustige jugend. so entschloß auch ich mich irgendwann, urlaub zu nehmen und mein schicksal herauszufordern. mit einem nahezu schrottreifen raumschiff wollte ich die passage wagen.
zu diesem zwecke mußte ich mir jedoch erst einmal ein solch altes raumschiff verschaffen. keinesfalls korrekt wäre es ja, ein solches unterfangen mit einem neuen dienstraumschiff zu wagen, zumal sich mit dem eingebauten fahrtenschreiber später genau nachvollziehen läßt, welchen unfug man da begangen hat.
ich hatte mir etwas geld zurückgelegt, um mir ein klappriges raumschiff in der nähe von ayari zu mieten, was gerade dort nicht günstig ist, weil die versicherungen sehr hoch sind.

so führte mich meine reise nach onu - einem vielstaatenplaneten von nicht besonders hoher entwicklungsstufe. der eigentliche raumschiffverleih lag allerdings auf einem abgelegenen mond eines nachbarplaneten von onu. onu aber ist der eigentlich bewohnte planet dieses sonnensystems. und die dortigen strukturen haben auch etwas mit unserem thema zu tun. man könnte denken, die gessellschaftlichen strukturen seien ein ebenbild des raumknotens. wie bei dem einen die angst und die beherrschung derselben eine große rolle spielt, so auch beim anderen.
einerseits gab es auf onu eine globale organisation, der fast alle staaten beigetreten waren, die eigentlich die aufgabe hatte, streitigkeiten zu vermeiden, beizulegen oder zerstrittene staaten erst einmal voneinander zu trennen.
da gab es zum beispiel einen sicherheitsrat bestehend aus vertretern verchiedener nationen, der sich damit beschäftigte, bei krisensituationen ein einheitliches vorgehen zu verabreden oder verschiedene interessen gegeneinander abzuwägen.
ein beliebtes mittel der einzelstaaten, um sich ärger mit anderen staaten vom hals zu halten, war jedoch die hohe kunst der abschreckung. dabei ging es darum, die angst zu beherrschen - zum einen die eigene vor den anderen und zum anderen die der anderen vor einem selbst.
dazu wurden monströse waffenarsenale benutzt - kerntechnische bomben, chemische und biologische kampfstoffe. um die eigene angst zu beherrschen, trachteten die staaten, die bereits solche waffen hatten, danach, daß die anderen solche nicht entwickeln dürften. um dies zu erreichen, galt es die angst dieser staaten zu beherrschen, was wiederum bei diesen den druck erhöhte, sich insgeheim mit der entwicklung solcher waffen zu beschäftigen oder hinterrücks und unerkannt in terroristischer art gegen unliebsame feinde vorzugehen, ohne direkt als staat oder person greifbar zu sein.
als ich dort im sonnensystem eintraf, eskalierte gerade eine krise dieser art.
ein problem schwelte wohl schon länger. auslöser der krise war aber wohl ein machtwechsel in einer der großmächte des planeten. an sich handelte es sich von der idee her um eine demokratie. ein religiöser fanatiker von etwas einfachem gemüt war aber durch wahlmanipulation an die macht gekommen, was im grunde erst durch das veraltete und extrem unübersichtliche wahlverfahren möglich wurde. die mangelnde entschlossenheit des politischen gegners tat ein übriges.

das regime dieses fanatikers namens g. strüpp jedenfalls hatte anläßlich eines sehr schlimmen terroranschlages die eigene angst nicht mehr im griff und versuchte dieses durch wilde drohungen gegenüber einem kleineren unrechtsstaat zu kompensieren, den man ganz offen mit einem kreuzzug zum rechten glauben bekehren wollte. diesem wurde kurzerhand eine beteiligung an dem terrorakt angedichtet und gefälschte beweise für weitere schandtaten untergeschoben, da man für die tatsächlichen offenbar keine liefern konnte oder diese selbst einmal versehentlich unterstützt hatte. so unterstellte man auch wohl zu recht den willen zur entwicklung jener schreckenswaffen, war aber offenbar nicht schlau genug, um dieses auch zu beweisen. mit den vorwürfen, den echten und gefälschten beweisen beschäftigte sich jener sicherheitsrat, der den überfall auf den kleinen staat planetenweit legitimieren sollte. aber es herrschte keine einigkeit darüber, einerseits wie das problem mit dem kleinen staat zu lösen sei und andererseits hinter vorgehaltener hand, wie man dem problem innerhalb jener großmacht herr werden sollte.
die großmacht drohte längst damit, den kleinen staat gnadenlos mit krieg zu überziehen, um die eigene hilflosigkeit gegenüber der angst zu kompensieren.
so war es für viele einstmals zusammenarbeitende staaten die frage, ob man aufrecht stellung nehmen sollte gegen die großmacht oder ob traditionelle gefolgschaft angesagt wäre. der einzige grund, warum dieser staat ausgerechnet jetzt angegriffen werden sollte und kein anderer von denen, wo die lage ähnlich war, war eigentlich, daß man es bei diesem besonders leicht haben würde und zudem im anschluß noch die rohstoffe dieses staates ausbeuten könnte. das reichte aber den meisten mitgliedern des sicherheitsrates nicht, zumal die primitiv gefälschten beweise auch noch aufflogen. das hielt die großmacht aber nicht von seinem weg der angst ab. das regime des kleinen staates jedenfalls war nicht dumm und verfolgte gegenüber dem sicherheitsrat eine strategie der widerwilligen zögerhaften zusammenarbeit. das führte dort zu unüberbrückbaren meinungsverschiedenheiten quer durch alle alten bündnisse.
neue zweckkoalitionen wurden geschlossen und tatsächlich begann der krieg jener großmacht mit nur noch wenigen verbündeten und dem stillhalten vieler, aber gegen die mehrheit im sicherheitsrat und vor allem gegen die mehrheit der eigenen bevölkerung. es handelte sich um einen kreuzzug um religion und rohstoffe. es herrschte angst und schrecken. trotz ausgefeiltester propaganda und kriegstechniken nahm der krieg kein ende. trotz eines gewaltigen massakers unter den einwohnern des kleinen staates war das regime einfach nicht zu fassen. nicht zuletzt die eigenen verluste führten zu einem aufstand in jener großmacht. das land zerfiel in kleinere machtgebiete, die sich gegenseitig bekämpften.

zu der zeit jedenfalls war ich dort - in jenem raumschiffverleih wurde die entwicklung auf dem planeten mit großer sorge beobachtet und diskutiert - aber niemandem einschließlich mir fiel eine funktionierende lösung zu dem konflikt ein.
es herrschte der schrecken und die angst und der tod statt daß angst und schrecken beherrscht wurden. und mir wurde klar, daß man vor der eigenen dummheit und der seiner mitmenschen mehr angst haben muß als zum beispiel vor dem nichts oder sonstigen gefahren des unbelebten universums. jedenfalls war das nicht mein kampf - von der station aus sahen wir nur die rauchwolken in der atmosphäre des planeten.
heute wissen wir, daß onu in ein stadium religiöser barbarei zurückgefallen ist - dummheit und fanatismus und unbeherrschte angst hatten sie dorthin gebracht.

ich hingegen schaute mich auf der raumstation jenes mondes erst einmal um und die ereignisse auf onu bekam ich nur nebenbei mit in den diskussionen mit den leuten an bord der station. mich beschäftigte mehr, wie mir meine eigene kleine dummheit wohl gelingen könnte.
da ich in einem sehr guten raumschiff gekommen war, witterten die verleihfirmen natürlich gleich, daß ich etwas vorhätte. und so gab es gleich erst einmal schwierigkeiten. unter der hand wurde ich jedoch in die wettszene weiter vermittelt. wie ich dann beim ersten kontakt dort erfuhr, wurde tatsächlich inzwischen systematisch auf derartige fahrten gewettet. so sprach ich mit einigen leuten und wir einigten uns nach einigen verhandlungen und nachdem ich einen blick auf das mir zugedachte raumschiff geworfen hatte. ich beteiligte mich selbst mit einem wetteinsatz und wurde in der szene herumgereicht, in der nach einem komplizierten system wetten abgeschlossen wurden, die auch gewisse umstände der fahrt berücksichtigten, wie den zustand des schiffes und die dauer, wenn eine durchquerung überhaupt gelingen sollte. die allermeisten hatten ihr vorhaben wohl wieder abgebrochen, nachdem sie stärkere auswirkungen des knotens auf das raumschiffs zu spüren bekommen hatten. andere hatten sich nur dicht an dem knoten vorbeigemogelt, als sie keinen sicheren zugang fanden. wieder andere fanden zugang und waren verschollen. nur wenige vermochten bislang den knoten wirklich sauber zu durchqueren. durch ein abgabensystem wurde das fragliche raumschiff aus den wetten finanziert, dieses war mit entsprechenden kontrollsendern ausgestattet, um die reise zumindest außerhalb des knotens nachvollziehen zu können. die finanzierung umfaßte erst auch mal die instantsetzung der von mir festgestellten groben mängel, mit denen das schiff zweifellos im knoten von der gravitation zerrissen worden wäre. ich rechnete, welche stabilität für die mutprobe wohl notwendig sei und setzte das dann um.

in dieser zeit des wartens, reparierens und des festlegens eines termines, lernte ich uana kennen, die mich wegen meines mutes und meines tollkühnen planes sehr bewunderte. die junge frau hatte sich schon einige zeit auf der station, insbesondere in der wettszene durchgeschlagen. sie war von onu hierher gelangt mit hilfe von leuten und methoden, über die sie stets stillschweigen bewahrte. zurück nach hause konnte sie nicht mehr, denn das wäre jene ins chaos gefallene großmacht gewesen - eine heimat, die es für sie nicht mehr gab.
nach anfänglichen erfolgen - und das war wohl ihre dummheit gewesen, vor der sie nicht genug angst gehabt hatte, war sie dann im ewigen auf und ab des glücks in der wettszene hängen geblieben. da sie von attraktivem äußerem war, halfen ihr männerbekanntschaften durch gelegentliche finanzielle krisen. da sie aber auch von schneller auffassungsgabe war, sah sie recht schnell ein, daß sie das recht schnell in die prostitution führen würde - davor hatte sie wiederum angst und suchte nach einem ausweg aus dieser lebenskrise, fand jedoch keinen und wohlmöglich bewunderte sie mich, weil ich einen weg hindurch durch den raumknoten zu finden entschlossen war - geradezu das symbol für eine ausweglose situation.
nun, sie gefiel mir gut. ihre freundliche art und ihre natürliche fröhlichkeit zogen mich wiederum an. ihr zartes wesen weckte den beschützerinstinkt. so kamen wir uns näher und hatten viel vergnügen dabei. unsere fröhlichen spiele und erotischen ablenkungen vertrieben die zeit des wartens ausgezeichnet.
dann stand der termin für den start fest. da bat mich uana, bei diesem abenteuer mitkommen zu dürfen. ich war dagegen - und so hatten wir in den tagen bis zum start noch eine weitere beschäftigung in form von heftigen diskussionen. sie vertraute mir und wohlmöglich wollte auch sie ihre angst überwinden, den knoten ihrer probleme zerschlagen, einen weg finden, wenn auch durch meine hilfe, ihr leben wieder in den griff zu bekommen. sie war von diesem plan genau so wenig abzubringen wie ich von meinem und so willigte ich schließlich ein - pikanter weise hatte sie mich mittten im liebesspiel durch rafinesse und geschick dazu gebracht, daß ich ihr in dem moment rein gar nichts hätte abschlagen können. irgendwie hatte ich danach auch etwas angst vor der macht der frau über den mann, ja der macht des sexualtriebes an sich. es besteht stets die gefahr, daß dieser den verstand ausschaltet und so der dummheit tür und tor öffnet - allerdings gilt es auch hier, die kunst zu erlernen, die eigene angst zu beherrschen, denn was nutzt einem schließlich der ganze verstand, wenn man dafür auf jeglichen spaß verzichten müßte?
uana triumphierte und eigentlich freute ich mich ja auch über ihre gesellschaft auf der fahrt. denn zumindest der lange weg hin zum raumknoten und dann der weg hindurch und anschließend drumherum zurück wäre sonst sehr langweilig geworden, so ganz alleine in einem alten, langsamen raumschiff.

zum vereinbarten termin starteten wir. ein teil der wettszene hatte sich längst aufgemacht, mit einem modernen, schnellen schiff außen herum auf die andere seite zu transformieren, um mich dort zu erwarten.
der in unserem raumschiff angebrachte peilsender und einige relaisstationen um den raumknoten herum verschaffte den wettern jederzeit einen eindruck davon, wie weit wir gerade waren, solange wir nicht zu tief in den knoten vorgedrungen waren. innerhalb sind raum und zeit ja ohnehin so verdreht und verquirlt, daß ein signal nicht mehr aussagekraft hatte als zu bestätigen, daß wir noch nicht in ein schwarzes loch gefallen waren - aber wegen der krümmung der zeitachse war auch nicht einmal mehr das völlig sicher festzustellen. von außen betrachtet schien die position des schiffes also hin und her zu springen, wohlmöglich auch ganz zu verschwinden, zeitlich gedehnt oder gestaucht zu erscheinen.
trotz uanas allzu köstlicher ablenkungen hatte ich täglich die sensoraufzeichnungen der gegend analysiert und mich so vertraut gemacht mit den von außen zugänglichen informationen über den raumknoten und war recht zuversichtlich, das abenteuer zu überstehen. garantien gab es allerdings nicht - die dynamik dieses phänomens ist doch zu kompliziert, als daß man davon alles hätte vorhersagen können.
einige geschickte routinetransformationen brachten uns in die nähere umgebung des uns derzeit am nächsten gelegenen schwarzen lochpaares. bereits aus dieser noch sicheren entfernung meinten wir deutlich zu spüren, wie sich der raum bog. die ersten stunden hatten wir mit leichter übelkeit zu kämpfen. das alte schiff aber knurrte laut und widerwillig unter der heftigen dynamik der raumverzerrungen. immerhin waren wir im nahbereich einer mächtigen gravitationswellenquelle, die jedes objekt in der einen richtung auseinanderzog und in der richtung senkrecht dazu zusammendrückte - und das ganze im nächsten augenblick wieder anders herum. zudem zerrte der statische gravitationsgradient arg an der struktur unseres schiffes, daß ich froh war, dieses ordentlich verstärkt zu haben. so hielt es stand, wie ich es berechnet hatte.

hier, sinnbildlich am rande des abgrundes analysierte ich nochmals signale von warn- und peilsendern etwas weiter weg und selbst ausgesetzter sonden.
auf dem rechner des schiffes schaute ich in dieses chaos von raum und zeit, für welches der rechner über weitere bereiche keine numerische lösung finden konnte.
einerseits hatte ich vertrauen zur transformationstechnologie, andererseits sorgte ich mich anhand der unklaren daten um uanas und mein leben. dann tat sich eine lücke der klarheit auf. statt des wirrwarrs war plötzlich in einer richtung weit in den knoten hinein ein einfacher weg zu erkennen. kein ganz gerader weg zwar, aber eine recht einfache krümmung ohne drastische raumverzerrung. die maximale transformationsweite des alten raumschiffs war sowieso nicht so groß, also ergriff ich kurzentschlossen die chance und führte die transformation durch - mitten hinein in den knoten, gerade so weit, daß ich noch kontakt zu meinen alten sonden hatte.
es donnerte wie eine faust auf das raumschiff, welches krachte und ächzte und heftig durchgeschüttelt wurde. mit dem normalen antrieb steuerte ich uns verzweifelt kämpfend immer am kleinsten gravitationsgradienten entlang, bis alles ruhiger wurde - stille!
uana kam nun aus unserer schlafkabine zu mir und zum ersten male sah ich echte angst in ihrem gesicht. sie zitterte. ich streckte ihr die hand entgegen. sie kam auf mich zu, ich umarmte sie und hielt sie fest. es war entsetzlich - einerseits unser wissen, in der mitte des knotens zu sein, andererseits verhielt sich alles so, als wären wir im absoluten nichts, in der leere gelandet. und wir beide gehörten wirklich nicht zu jenen, die vor nichts angst gehabt hätten.

wir rissen uns zusammen und ich schickte neue sonden aus und analysierte, während uana mir die schultern massierte, um mich zu entspannen. die daten aus dem rechner waren unglaublich. tatsächlich schienen wir gerade in der mitte zwischen allen um uns herum rotierenden schwarzen löchern zu sein, die rund herum raum und zeit total verquirlt hatten, während wir auf einer insel der ruhe ausharrten.
allmählich wurde mir klar, daß die strukturen des knotens von innen heraus betrachtet recht einfach zu verstehen waren. hier war es möglich, ein lokales, rotierendes koordinatensystem zu etablieren, in dem die meisten schwarzen löcher nahezu in einer ebene rotierten. senkrecht zu dieser ebene rotierten im größeren abstand zwei weitere. wenn diese beiden nun gerade die ebene der anderen durchquerten, war es für kurze zeit möglich, ins zentrum des knoten zu gelangen - oder von dort wieder hinaus in den ebenen raum. meine angst schwand. ich begann zu verstehen. und wo wissen und verstehen ist, ist für angst kein raum mehr. ich begriff, daß wir im moment völlig sicher waren und stellte die steuerautomatik des schiffes dahingehend ein, diese position zu halten.

ich erklärte uana die situation und zeigte ihr eine einfache simulation, wie sich die raumverzerrungen um uns herum entwickeln würden. wir mußten in unserem zeitrahmen gesehen etwa einen tag warten, dann würde sich jene nahezu ebene raumpassage genau in der anderen richtung öffnen und wir könnten ohne probleme auf die andere seite des raumknotens gelangen, wo wir schon als helden erwartet würden.
uana lächelte und küßte mich. auch sie hatte keine angst mehr, da sie meinem wissen vertraute. wir hatten phantastischen sex an diesem bizarren ort - unsere lust schien die zeit zu dehnen oder zu kontrahieren, bis wir erschöpft einschliefen. der von mir vorsorglich eingestellte schiffswecker rief uns pünktlich aus unseren träumen zurück, um die transformation vorzubereiten.
uana saß neben mir, der raum um uns klarte auf. signale der peil- und warnsender von außerhalb waren wieder identifizierbar. ich startete die transformation hinaus. das schiff kreischte wild auf, verzog sich einem moment lang furchtbar. wieder im äußeren raum wurde uns wieder arg übel - der raum war hier noch längst nicht eben und der sich wieder schließende knoten verdrehte hinter uns bereits wieder den raum. aber ich mußte verharren, um die nächste transformation zu berechnen. dann war es so weit - und los hinaus in den ebenen raum! dann war es geschafft! die nächsten transformationen waren harmlos und am ziel angekommen wurde uns ein triumphaler empfang bereitet, denn wir hatten uns unserer angst nicht nur gestellt, nein, wir hatten sie durch wissen und geschick überwunden und besiegt.
ich jedenfalls hatte meine lektion gelernt - nicht nur die angst betreffend, sondern auch den raumknoten betreffend - auch da war nicht alles so, wie es schien. mit der richtigen perspektive konnte man verstehen, was von einem ungünstigen standpunkt aus mit einem unvorteilhaften blickwinkel noch schier unmöglich erscheinen mußte, ja, was einem einen knoten ins hirn zu winden schien, was die gedanken zu verwirren geneigt war. ich hatte es mit meinem eigenen verstand geordnet, hatte meine angst beherrscht und einen ausweg gefunden.
ich fand, man feierte mich zurecht als einen helden. wie sich herausstellte war ich zudem der einzige, der sein ziel bereits wenige stunden nach dem aufbruch erreicht hatte, außerdem mit einem raumschiff, welches nach der reise noch im gleichen zustand war wie zuvor. bisherige erfolgreiche wagemutige hatten den ausweg erst nach wochen durch zufall in einer notkapsel gefunden, andere eben nie oder hatten ihren versuch abgebrochen, ohne überhaupt in den knoten gelangt zu sein.

dann ging es ans abschied nehmen.
auch uana hatte ihre lektion gelernt - sie wollte auch aufbrechen und wissen erlangen, lernen, selber eigenverantwortlich zu handeln, statt von der angst getrieben zu werden, von anderen ausgenutzt und ihrer dummheit und ihrem eigennutz ausgeliefert zu sein. ihr heimatplanet diente ihr als mahnung, auf der hut vor manipulationen zu sein und nicht alles zu glauben und geschehen zu lassen, was andere sich in ihrer naivität so ausdachten.
sie entschloß sich, in die raumfahrt zu gehen. ich transformierte mit ihr zum nächsten ausbildungszentrum, wo sie wenige tage später wirklich den aufnahmetest bestand und ihre ersten kurse begannen. ich blieb noch etwas und wir hatten noch ein paar köstliche nächte miteinander.
wie sie mir gestand, hatte sie auf eigene kappe wetten abgeschlossen und ebenfalls gewonnen, sie bat mich um verzeihung, weil sie mich ursprünglich zu diesem zwecke kennengelernt und verführt hatte. je besser sie mich jedoch kennenlernte, um so mehr fand sie gefallen an mir und meiner art. ich verzieh ihr. wir legten unsere gewinne zusammen und teilten in gleiche teile.
später sollte uana unter ihrem neuen namen osfaga bekannt werden, die euch sicher als große, intelligente und verwegene und rafinierte raumfahrerin bekannt ist. sie entschloß sich, diesen neuen namen anzunehmen, um nicht immer an ihre heimat erinnert zu werden, die noch heute im stadium der religiösen barbarei verharrt. ein kontinent voller schrecken, angst und dummheit auf einem in seiner handlungs- und entwicklungsfähigkeit gelähmten planeten. wo wissen und weisheit durch glauben und fanatismus ersetzt wird, da ist man fern jeder hoffnung, rettung und perspektive.

damit genug für heute - und sagt jetzt nicht: gnor, das war schon alles?
was wollt ihr mehr? ich lernte, mit meiner angst umzugehen. am meisten angst hatte ich immer vor meiner oder einer eigenen dummheit - doch auch damit wurde ich bislang immer fertig, indem ich zum nachdenken zurückfand, einen kühlen kopf bewahrte und mit wissen der angst ihre substanz nahm. und man darf auch nicht resignieren und glauben, daß es keinen ausweg aus der angst gibt, selbst wenn eine situation, eine krise noch so verworren, verknotet zu sein scheint. von einem geeigneten standpunkt aus gibt es immer einen weg - er mag längst nicht immer zum gewünschten zeitpunkt zum gewünschten ziel führen, doch wird es immer einen weg geben, der weiter führt als die stagnation in der angst, im irrationalen, undurchsichtigen, im glauben. und wer glaubt, die angst anderer beherrschen zu können, auf den wird die angst irgendwann furchtbar zurückfallen, denn es ist ja immer die angst, die man selbst kennt, die man auch anderen antun kann...

alsbald freunde, ein anderes mal vielleicht mehr von mir, gnor, dem großen raumfahrer...

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