Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

gnor erzählt eine geschichte über den großen elms

was, schon wieder soll ich erzählen, nun gut, heute aber nichts tiefsinniges, eher etwas aus dem täglichen leben.

also, auf einer meiner reisen, was gar nicht wichtig war, landete ich, um zwischenstation zu machen, nein, eher weil ich gar nicht gewußt hatte, daß jene sonne ein planetensystem hatte, und ich neugierig war, auf einem lebensgünstigen planeten, auf dem, wie sich alsbald herausstellte, der große elms weilte.

bitte? ja, genau der elms, der geheimnisvolle weise und geniale geschichtenerzähler. ihr kennt ihn doch alle? fein, kann ich also weitererzählen... ich umflog den planeten also ein paar mal, um einen günstigen landeplatz zu finden. dabei entdeckte ich, schon im landeanflug, eine schlichte kleine hütte, flog kurzentschlossen noch einmal um den planeten herum und landete dann in unmittelbarer nähe der hütte. ich stieg aus und ging darauf zu und klopfte einfach einmal. von drinnen antwortete ein beiläufiges brummeln, was ich als erlaubnis einzutreten deutete, also tat ich dasselbe.

vor einem großen schwarzen kasten sitzend, völlig vertieft, störte ich ihn damals, etwas irritert und abwesend schaute er nun doch aufmerksam auf, immer diese störungen, nirgends habe man seine ruhe brummte er, was ich denn wolle, presse, fernsehen, nachwuchsschriftsteller, fan oder hoffnungsvoller verleger? worauf ich den kopf schüttelnd meinen namen nenne, gnor sei ich; so, sagt er, gnor, der große raumfahrer, ja, gnor wiederhole ich, sei nur zufällig vorbeigekommen, wollte nur sehen, wer denn hier so alleine auf einem mir bisher noch unbekannten planeten lebe. natürlich kennte ich den planeten nicht, stellt er fest, doch von alleine könne keine rede sein, auch wenn das so aussehe, man könne das nie so genau wissen, in dem schwarzen kasten dort sei das universum, wie könne er da alleine sein, wenn es den kasten gebe, nein, nein, sein problem sei, ob er nicht selbst in einem solchen kasten irgendwo stecke und dieser kasten wieder in einem kasten und so fort ohne ende, das sei doch möglich, und er wisse nicht wie er das unterbinden könne. natürlich, stimme ich zu, möglich sei vieles, ob er denn angst habe, daß jemand einen der potentiellen kästen zerstöre, in denen er eventuell stecke. nein, nein, ihn beunruhige vielmehr, daß es eventuell überhaupt solche kästen gäbe, seinen eigenen wolle er wahrscheinlich bald ausschalten, um darin nicht noch andere ins grübeln zu bringen ad infinitum. doch sei damit das problem nicht gelöst, wage ich einzuwerfen... nein, natürlich nicht, aber er fände es nicht fair dem inhalt des kastens gegenüber, ihn nicht abzuschalten, schließlich, was da alles passieren könne. aber das sei alles noch gar nicht so schlimm, selbst wenn er nicht selbst in einem solchen kasten stecke, woher könne er denn wissen, daß diese welt wahr sei und nicht nur ein traum in einem traum aus einem traum eines nur geträumten träumers. er sei wohl ganz traurig, daß er nicht wisse, wie er aus so vielen verschachtelten träumen zurück in die realität finden solle. so direkt könne man das nicht sagen, doch vielleicht könne man gar nicht zurückfinden, einmal in träumen verstrickt, sei die realität substantiell gar nicht mehr von träumen unterscheidbar, denn wie solle man wissen, ob sie nicht einfach nur ein weiterer traum sei und immer so weiter.

ja, die welt sei schon hart aber ungerecht, werfe ich ein, doch er schüttelt den kopf, das könne man nicht wissen, kenne man sie doch letztlich wahrscheinlich gar nicht vollständig. elms wendet sich langsam von mir ab und dem kasten zu, schaut hinein und schüttelt wieder abwesend den kopf, leise murmelnd, schon wieder etwas schiefgegangen, immer diese störungen...

ich will schon gehen und sehe noch gerade, wie er mit hilfe eines erst jetzt sichtbar werdenden bildschirms in den kasten schaut, einen simulator ergreift und damit in dem kasten zu agieren beginnt. auf dem bildschirm sehe ich jetzt einen planeten, ganz ähnlich dem des elms, auf dem ich mich gerade befinde, er wird größer, ja, jetzt sehe ich schon neben einer hütte ein raumschiff, dann erkenne ich durch die tür der hütte mich selbst und im hintergrund elms, wie er gerade den gleichen bildschirm aufmerksam betrachtend, in dem wieder ich in einer tür stehend zu sehen bin und im hintergrund elms, wie er gerade einen bildschirm aufmerksam betrachtend, in dem wieder ich... et cetera, et cetera, et cetera, ad infinitum, so weit man sehen kann, in dem kasten mit einem simulator agiert. in dem moment ergreift mich von hinten eine kräftige, aber unsichtbare hand, zerrt mich rückwärts zu meinem raumschiff, stopft mich hinein und schleudert das raumschiff in den raum hinaus, daß ich noch zur gleichen stunde am ziel meiner eigentlichen reise war, von der ich euch vielleicht ein anderes mal erzählen werde. elms aber besuchte ich nicht wieder, las nur viele seiner geschichten, doch in der geschichte mit mir hatte er sich offenbar in der realitäten vergriffen. man stelle sich vor, er hätte aus versehen sich selbst gegriffen, in einer seiner eigenen endlosen schleifen wären wir dann steckengeblieben.

was sagt ihr, das sei doch gar nicht möglich? wer kann das so genau wissen? sind wir nicht alle vielleicht nur figuren eines traums in einem traum eines von elms erdachten träumers in einem kasten in einem von den vielen kästen, die in elms großem schwarzem kasten stecken mögen? was, wenn elms nur träumt, daß er träumt, er sei der elms, der träumt, er sei der elms, der nur träumt, er sei der elms mit dem schwarzen kasten und so weiter und von vorn? lest nur ein paar von seinen geschichten, vielleicht erzählt er in irgendeiner geschichte von gnor, wie er eine geschichte über den großen elms erzählt, zuzutrauen wäre ihm das, ihm, oder irgendeinem andern...

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