Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

das drachenproblem

"Eines Tages sagte Unmon zu seinen Schülern:'Dieser mein Stab hat sich in einen Drachen verwandelt und hat das Universum verschlungen. Oh, wo sind die Flüsse und die Berge und die große Erde?'"
Zen-Koan

" ... Bekanntlich gibt es keine Drachen. Einem simplen Verstand mag diese primitive Feststellung vielleicht genügen, nicht aber der Wissenschaft, denn die Neantische Hochschule befaßt sich überhaupt nicht mit dem, was existiert; die Banalität der Existenz ist bereits zu lange erwiesen, als daß man auch nur ein Wort darüber verlieren sollte. So entdeckte der geniale Kerebron, der mit exakten Methoden dem Problem zu Leibe ging, drei Arten von Drachen: Nulldrachen, imaginäre und negative Drachen. Es existieren, wie gesagt, alle nicht, aber jede Gattung auf eine besondere und grundverschiedene Weise. ..."
Stanislaw Lem "Die dritte Reise oder Von den Drachen der Wahrscheinlichkeit"

schon wieder wollt ihr eine geschichte von mir hören, sagt zu mir: gnor, erzähle doch noch eine geschichte; an abenden von tagen wie diesen muß es nicht unbedingt die beste beschäftigung sein, mir beim geschichtenerzählen zuzuhören, das will ich euch gleich sagen, aber nun gut, ihr habt es so gewollt. ich werde euch erzählen, wie ich von den bürgern von poseixan gebeten wurde, das drachenproblem zu erledigen, und was ich daraufhin tat. ich hoffe, ihr werdet aus meinem tun eure schlüsse ziehen und so oder so daraus lernen und euch überlegen, wie ihr in einer ähnlichen situation handeln werdet und wie ihr eurer ansicht nach handeln solltet, denn das ist ja nicht immer identisch. das leben lehrt, daß man trotz vorheriger überlegungen beim eintreten der realen situation oft anders handelt, als man es sich zuvor beim durchdenken einer ähnlichen hypothetischen vorgenommen hat. ganz ähnlich erging es mir, der ich natürlich vorher eine feste vorstellung davon hatte, wie drachenprobleme generell gelöst werden müßten. interessant ist auch oft die nach dem handeln vorgegebene begründung für das eigene handeln, denn oft wird diese begündung erst nach der handlung geliefert. in dem fall, von dem ich heute erzählen möchte, kann man meine begründung durchaus in solchem lichte sehen, doch überlasse ich das urteil darüber ganz allein euch.

ich bin auf der rückreise von einem ausflug in einige sehr entlegene teile des universums, welche ich zuvor noch nicht besucht hatte, und wo ich nebenbei auch noch mitglieder für den universalen zivilisationenvertrag werben wollte, denn das ist ja gerade in diesen entlegenen winkeln wichtig, wohin sich nie ein offizieller botschafter verirren mag.

ich war schon ziemlich lange unterwegs und etwas übermüdet, das gebe ich durchaus zu. plötzlich beginnen die sterne vor meinen augen zu tanzen, und ich begreife einfach nicht, was ich da sehe. irr zucken sie durcheinander, kondensieren dann aber langsam zu einem immer dichter werdenden nebel, zu konkreten formen, schließlich zu klar erkennbaren buchstaben: MOONSTARERS steht da, ganz eindeutig, und ich staune, was das soll. das ist doch offenbar unsinn, denke ich, weit und breit kein mond zu sehen, ich schüttele den müden kopf, und schon beginnen die buchstaben durcheinander zu tanzen und bilden die worte NO MORE STARS, obwohl doch ganz offensichtlich sterne vorhanden sind, ich weiß wirklich nicht mehr, was das soll, außerdem bin ich so müde, daß es mir nicht mehr gelingt, dazu eine sinnvolle deutung zusammenzubringen. nun gut, einem raumfahrer begegnet so manches, was er zuvor nicht für möglich gehalten hätte, doch daß sich sterne zu permutierenden buchstaben zusammensetzen, ist offenbar ganz lächerlich, ich lache also entschlossen, vielmehr will ich entschlossen lachen, doch durch meine müdigkeit bedingt gelingt mir nur ein gequältes grinsen. abermals geraten die buchstaben ins wanken und tanzen vor meinen augen durcheinander, ordnen sich dann aber neu: ROSA MONSTER. jetzt reicht es mir, ich schließe schon beinahe verzweifelt die augen, öffne sie kurz darauf wieder, und der gute alte sternenhimmel ist wieder zu sehen, erleichtert atme ich auf. ihr denkt jetzt, was ich da erzähle, könne gar nicht wahr sein, doch was ist schon wahrheit, und ihr werdet es noch erleben, daß einem einsam dahintransformierenden raumfahrer so manches begegnet, was unter normalen bedingungen für unmöglich gehalten wird, ihr werdet noch daran denken, wenn ihr nichtraumfahrern solche erlebnisse erzählt, werden sie euch schmunzelnd anschauen, doch ihr werdet es dann besser wissen.

völlig erschöpft mußte ich sein, um solch einen unsinn zu sehen, überlege ich mir, doch sei es ja eine alte erfahrung, daß der mensch seiner umwelt eine ordnung aufpräge, was besonders in solchen halbwachzuständen erstaunliche effekte hervorrufen könne. immerhin aber haben schon ganz andere leute in völlig intaktem zustand irgendwelche formen in den sternfigurationen auszumachen geglaubt, sogenannte sternbilder, versuche ich mich zu beruhigen. ich sollte eine pause machen, mich an einem netten ort erst einmal ausruhen, komme ich nach kurzem, mühevollem nachdenken mit mir überein. also lasse ich den bordcomputer den nächsten besseren, zivilisationsbehafteten planeten heraussuchen, und er spuckt name und koordinaten von poseixan aus. ich überlege einige ganz günstige transformationen, lasse den computer den exakten weg berechnen, worauf ich diesen planeten direkt ansteuere.

die vision mit den sternbuchstaben hat mich nun erst einmal wieder völlig wach gemacht und beschäftigt mich weiter, ich erinnere mich noch ganz genau, ich sagte mir damals, es würde mich nicht wundern, wenn mir auf poseixan ein rosa monster begegnete, denn das universum ist groß und geheimnisvoll durch die aufprägung einer ordnung auf die verteilung seiner zufälle durch den menschen. wie das in solchen geschichten nun einmal so ist, sage ich mir, ist diese vision als warnung oder hinweis oder so etwas ähnliches zu deuten. ich nehme mir also vor, auf der hut zu sein, doch auf poseixan angekommen erweist sich alles als friedlich.

poseixan ist ein im wesentlichen wunderschöner planet mit viel wasser und riesigen stränden; wie nahezu jeder planet nach oder in der heißen industriellen phase hat poseixan mit einigen durch die kultur bedingten störungen der biosphäre zu kämpfen, dennoch gilt er gerade durch die weitläufigkeit seiner strände und die starke tourismusbranche für diesen teil der galaxis als einzigartiges urlaubsparadies für liebhaber von meeren und inseln aller art. lediglich das industriell erschlossene hinterland ist touristisch nicht zu empfehlen, die strände und urlaubsorte wurden jedoch ökologisch-tourismusökonomisch wieder völlig hergestellt.

ich buche schon auf dem raumflughafen ein zimmer in einer künstlichen hotelinsel und lasse mich gleich dorthin fliegen. meinen namen konnte ich leider nicht verschweigen, was auch ziemlich nutzlos gewesen wäre, denn mein raumschiff ist etwa so bekannt wie mein name, und beim hotel angekommen kommen auf dem weg zu meinen zimmer einige leute auf mich zu, die gleich versuchen, mich meinen namen aussprechend zu bewundern, der große raumfahrer gnor sei im hotel, heißt es überall. es gelingt mir jedoch schnell, in mein zimmer zu verschwinden und schlafe erst einmal gründlich aus.

nachdem ich ausgeschlafen habe, aufgestanden bin und das zimmer verlassen habe, nimmt das schicksal in form einer abordnung des parlaments von poseixan seinen lauf. von dieser bittet mich der sprecher im namen des volkes von poseixan um hilfe bei der lösung eines schwierigen problems. so viel schon habe man über mich gehört, soviele tapfere taten und kluge und praktische ratschläge seien von mir bekannt geworden, daß sie zuversichtlich seien, daß ich ihnen werde helfen können, und es wegen meiner schon beinahe sprichwörtlichen gutmütigkeit auch tun werde. ich winke weitere beweihräucherungen meiner person großzügig ab und bitte ihn, einfach zur sache zu kommen, damit ich sehen könne, ob mir ratschläge oder hilfen einfielen. wir setzen uns in eine sitzecke des hotelrestaurants, ich bestelle frühstück für mich, denn es ist gerade morgen.

er beginnt zu erzählen, sie hätten einen im prinzip bewohnbaren nachbarplaneten, wunderbare landschaft, sehr urzeitlich, ungemein gesundes klima, bodenschätze. schon lange habe man eigentlich beschlossen, den nur von nicht-intelligenten wesen bewohnten planeten in besitz zu nehmen und ihn nutzbar zu machen. aus praktischen gründen sei dieses vorhaben erst in den letzten jahrzehnten in den bereich des möglichen und ökonomisch lohnenden gerückt, jedoch habe es zuvor leider ein verhängnisvolles experiment auf dem nachbarplaneten gegeben, dessen resultat der kultivierung nunmehr nur noch im wege stehe.

der in der galaxis nicht weiter bekannte und auch sonst recht unbedeutende, sogar etwas wirre wissenschaftler lerelt habe da nämlich ohne erlaubnis der regierung einen äußerst bedenklichen versuch durchgeführt. er habe unbedingt als erster das bis dahin nur theoretisch erklärte sogenannte lem-escher-spiral- durchdringungsverfahren zur erzeugung von probabilistisch stabilen drachen zu realisieren versucht.

ihr wißt ja vielleicht, eine erste erwähnung fand die drakologie bei lem, doch schon escher gelangen beeindruckende darstellungen, etwa "Drache" (holzstich |V 1953) oder in wesentlich abstrahierter form in "Spiralen" (holzstich X|| 1953). letztlich erwies sich aber das von lem geschriebene außerhalb des semantischen raums und das von escher gezeichnete nicht als konstruktiv. erst viel später gelang es einem team von wissenschaftlern durch jahrelange beobachtungen auf dem planeten rewnud, ein solches konstruktives verfahren zumindest theoretisch zu beweisen, welches man wie genannt lem und escher zu ehren bezeichnete. dieses hat allerdings immer noch einen großen haken - es gelingt mit dem verfahren nur in sehr wenigen, unwahrscheinlichen fällen, einen statistisch stabilen drachen zu erzeugen, das konnte ebenfalls von einigen hervorragenden drakologen rein theoretisch bewiesen werden. in den weitaus meisten fällen erhalte man statt der selten zu erwartenden lausigen drachen nur grausiges lachen. um sich also nicht vor aller welt lächerlich zu machen, hatte nie ein ernstzunehmender wissenschaftler einen lausigen drachen zu erzeugen versucht, ein weiterer grund lag auch darin, daß niemand wirklich einen benötigte, am wenigsten die theoretischen drakologen, die als einzige den gesamten beweis zu überblicken vermögen.

der abgesandte referierte nun, daß sich lerelt von den bedenken der anderen wissenschaftler nicht habe abhalten lassen, sei er doch jemand gewesen, der grundsätzlich alles tun mußte, was machbar war. und so wollte er der erste sein, der das konstruktive verfahren mit erfolg anwandte. er sah natürlich voraus, daß er mit einigen mißerfolgen zu rechnen hatte, und so machte er die versuche auf dem nachbarplaneten. tatsächlich berichtete eine expedition, die zufällig zur gleichen zeit auf dem planeten teile der biosphäre erkunden wollte, von markerschütternden lachanfällen in der luft weiter bereiche des planeten. sie seien dadurch völlig am boden zerstört gewesen, ein so grausiges lachen sei es gewesen. diese lachanfälle hätten nur minuten gedauert, wiederholten sich jedoch in mehr oder weniger gleichmäßigen abständen insgesamt etwa einen tag lang, dann war es still, eine stille, die weit unheimlicher als das zuvor gehörte lachen grausig zu sein schien, und der planet ward fortan von einem lausigen drachen heimgesucht, dessen erstes opfer wohl lerelt und die technischen anlagen zu seiner erzeugung waren, denn davon fand man nichts als einen kleinen trümmerhaufen, der wenig später auch noch verschwunden war. der bis dahin zur expedition recht friedfertige planet änderte über nacht, wie es schien, sein verhalten völlig, und vom nächsten tag an jagte ein fürchterlich großer und rosa drachen die noch wegen des grausigen lachens und dem trümmerhaufen von lerelt sehr erzürnten expeditionsteilnehmer, von denen nur wenige entkamen, um davon berichten zu können. der vorfall der drachenerzeugung sei intergalaktisch nicht publik geworden, weil es der damaligen regierung alles etwas peinlich war, insbesondere, daß man nicht mit dem drachen fertig wurde.

seither herrsche der drache uneingeschränkt über den nachbarplaneten, habe zwar nichts auf ihm verändert, verhindere aber jegliche ansiedlung menschlichen lebens auf dem planeten. man habe die tapfersten kämpfer und die grauenhaftesten waffen geschickt, doch die kämpfer seien nicht wiedergekommen und die waffen in einem lichtblitz des drachen zu atomarem staub zerfallen. ohne erfolg seien alle bemühungen gewesen, dieses drachenproblem in den griff zu bekommen, weiter mache der drachen jeden fertig, der seinen fuß auf den planeten setze, um auf ihm zu leben, den drachen zu jagen oder sonst etwas zu verändern.

man habe schon einen hohen preis auf die beseitigung des drachens ohne beeinträchtigung des planeten ausgesetzt, doch bisher seien eben doch alle bemühungen ohne erfolg geblieben, deswegen jetzt die verzweifelte bitte an mich, den edelmütigen gnor, diesem schrecklichen rosa drachen ein ende zu bereiten und damit der besiedlung und zivilisation des nachbarplaneten bahn zu brechen!

ich frage also, schon zur tat bereit, ob auch mir bei erfolg die belohnung zustehe, oder ob man mich um etwas bitte, was andere nicht einmal für die belohnung bereit sind zu tun, ohne meine mühe zu honorieren. es wird nach einigen energischen blicken in der runde erwidert, daß auch mir die belohnung zustehe. ich frage weiter, ob denn zur zeit keine menschen auf dem planeten seien, worauf man mir antwortet, seit einer woche sei dort eine umweltschützerin, die gestern habe zurückkommen wollen, und seit zwei tagen eine ziemlich chancenlose gestalt, die den drachen besiegen will. letzte nacht habe aber die umweltschützerin ihren leuten noch mitteilen können, daß der drachenjäger erledigt sei, ebenso nahezu ihre gesamte ausrüstung, ferner sei jetzt auch der drache hinter ihr her, wonach der funkkontakt abbrach. man nimmt also an, daß zur zeit kein lebender mensch mehr auf dem nachbarplaneten ist.

ich räume mir einige minuten bedenkzeit ein und frühstücke in aller ruhe zuende und lasse mir die mitgeteilten und impliziten informationen durch den kopf gehen. die drakologie ist mir immer zu theoretisch gewesen, so daß ich nicht über ein paar standardwerke hinausgelangt bin, letztlich habe ich nicht viel mehr als eine naive vorstellung von drachen, geht es mir durch den kopf, denn solche theoretischen spitzfindigkeiten waren nie meine sache. ungefährlich wäre die aktion sicherlich nicht, aber ein praktischer ansatz zur drakologie, denke ich mir, wegen beidem sei die sache allein schon einen versuch wert, dazu könnte ich auch noch eine gute tat vollbringen und eine größere belohnung einstecken, die ich eigentlich gar nicht benötige. dagegen spricht vor allem eine fehlende idee, wie ich dem drachen erfolgreich begegnen könnte, und die vision mit dem rosa monster, die ich nun geneigt bin, als warnung vor dem rosa drachen zu interpretieren, denn wie das in solchen geschichten nun einmal so ist, mystisch und nicht nachvollziehbar werden dem akteur warnungen vor zukünftigen gefährlichen ereignissen zuteil, die er trotzdem nicht umgeht.

ich stimme also zu, insbesondere wegen letzterem, allerdings verlange ich ein interplanetares raumschiff, um zu dem nachbarplaneten zu gelangen, da dort offenbar kein sicherer raumflughafen für ein so großes raumschiff vorhanden ist und der drache eventuell meines beschädigen könnte. sollte ich wider erwarten bei der aktion ableben, sei mein raumschiff meinem weisen lehrer agos zu übergeben, der dann darüber nach belieben verfügen könne. sie sind einverstanden, und so sage ich, ich werde erst einmal nur hinfliegen, um informationen zu sammeln, nicht um den drachen zu erledigen. in einem zweiten anflug solle es dann gegebenenfalls ernst werden, der erste sei aber nur ein erkundungsflug, wenn mich nicht der drache schon jetzt zum kampf zwänge.

nach dem mittagessen starte ich, einer spontanen eingebung folgend außer dem buch "Einführung in die Drakologie", welches ich in der raumfahrer-bibliothek auftrieb, gänzlich unbewaffnet, denn mir war aufgefallen, daß man aus den buchstaben ROSA MONSTER auch STORE NO ARMS zusammensetzen kann. nachdem ich mir noch die landepositionen der beiden letzten opfer besorgt hatte, ging es also los. beim nachbarplaneten angekommen, umkreise ich ihn erst ein paar mal in geringer höhe mit eingeschaltetem drachenzähler, den ich auch noch auf poseixan hatte auftreiben können. dieser zeigt global eine wahrscheinlichkeit von exakt eins an, jedoch keine lokal feststellbare ballung von wahrscheinlichkeiten, mit anderen worten: das biest ist nicht lokalisierbar! bei der heisenbergschen unschärferelation - damit hatte ich nicht gerechnet!

ich schlage also erst einmal in bezeichetem buch nach und finde dort zu dem thema der lokalisierung von drachen zu meiner überraschung den Banachschen Fixpunktsatz:

Sei ( M , d ) ein vollständiger metrischer Raum, f : M --> M , c aus dem Intervall (0 , 1 ), so daß für alle x, y aus M gilt: d ( f(x) , f(y) ) <= cd ( x, y )

( f heißt dann kontrahierend), daraus folgt: Es existiert genau ein x aus M, so daß f(x) = x, das heißt, f besitzt genau einen Fixpunkt.

dieser schon aus der analysis bekannte satz ist auf die drakologie übertragen worden. ich lese weiter, mit dem existenzsatz von lincard-pidelöf, zwei großen theoretikern der drakologie, sei sichergestellt, daß es für den empirischen raum, versehen mit der euklidnorm, immer mindestens eine funktion zu jeder drachenverteilung gibt, welche die bedingungen des Banachschen Fixpunktsatzes erfüllt, so daß mit ihr ein drachen lokalisiert werden kann. damit ist aber praktisch schon der fixdrachensatz gegeben, nachdem in einem gebiet mit einer globalen drachenwahrscheinlichkeit von eins genau ein drache existieren muß, der mit hilfe des Fixpunktsatzes lokalisiert werden kann. die anwendung einer Cauchy-Folge ( xn ) mit beliebigem startpunkt x0 als konstruktives verfahren zur lokalisierung des drachens verstehe ich nicht auf anhieb, sogar eine fehlerabschätzung ist angegeben:

d ( x , xk ) <= d (x1 , x0 )ck/( 1 - c ). es leuchtet mir auch nicht unmittelbar ein, welche funktion f oder welche folge ( xn ) ich denn nun zur lokalisierung meines drachens auswählen soll, wenngleich im folgenden sogleich die anwendung des Auswahlaxioms zur theoretischen auswahl einer bestimmten funktion unter den geeigneten vorgeschlagen wird:

Zu jeder Klasse Y nichtleerer Mengen X gibt es eine Funktion a mit a(X) ist Element aus X für alle X Element aus Y.

ich lege also das buch enttäuscht wieder zur seite - alle theorie ist grau - und lande in der nähe der landepunkte meiner beiden vorgänger.

noch einmal greife ich zur "Einführung in die Drakologie" und blättere gänzlich unsystematisch darin herum, finde zunächst einen aufsatz über den drachenspin und drachendrehimpuls, dann eine abhandlung über die feinstruktur der drachenspektrallinien . jetzt suche ich doch noch systematisch nach einer theorie der aufenthaltswahrscheinlichkeit, finde auch tatsächlich eine graphik eines sehr durch die atomphysik geprägten drakologen zum aufenthaltswahrscheinlichkeitsbetragsquadrat in abhängigkeit von der drachenquantenzahl, denn es ist ja bekannt, daß sich statistische drachen sehr oft sowohl im grundzustand als auch angeregt im komplexen und nur sehr selten ausschließlich im reellen raum aufhalten. schließlich finde ich noch den begriff der seltsamkeit, den man aus der theorie der elementarteilchen direkt in die drakologie übertragen hatte. auf einer der ersten seiten stoße ich dann auch noch auf die siegfriedsche vermutung, daß die menge aller drachen eine nullmenge ist, und daher für die praxis von keinerlei bedeutung, solange man keinem begegnet. diese vermutung ist ja nun schon historisch, lange zeit war sie aber nur empirisch bestätigt worden. viele praktische drakologen behaupteten sogar, daß es überhaupt keine drachen gäbe. in der theorie ist es erst vor kurzem dem großen drakologen gondra gelungen, die siegfriedsche vermutung im wesentlichen zu beweisen, allerdings ist es bisher noch nicht gelungen, den allgemeinen drachenexistenzsatz zu beweisen, daß es also wirklich mindestens einen drachen im sinne der definition der drakologen gibt. damit lasse ich es bewenden, schlage das buch zu, lege es zur seite und steige aus, einmal mehr mit dem deutlichen gefühl, daß die gesamte drakologie einen haken haben könnte, eben daß sie bisher nur theoretisch geführt wurde, mangels masse an drachen.

etwas besorgt bin ich schon, daß der drache das kleine raumschiff zerstören könnte, so daß ich auf diesem planeten festsitze, doch nun ist es sowieso zu spät, und ich spaziere entschlossen, wenngleich ziellos in irgendeine richtung los, um auf wie auch immer geartete informationen zu stoßen oder plötzlich eine idee zu bekommen, was ich tun könnte. ich gehe schon eine ganze weile, als ich mit einem male feststelle, daß ich zu versinken beginne! für einen rückzug ist es jedoch zu spät. wenn man das noch nicht erlebt hat, kann man sich kaum vorstellen, was das für ein unangenehmes gefühl ist, in einem stinkig-ekelig- schleimig-mussigen sumpf zu versinken, ohne das geringste dagegen unternehmen zu können. ich fühle mich jedenfalls jedes mal ziemlich hilflos und schlecht, wenn ich daran zurückdenke. damals war ich noch erheblich beunruhigter, vermutete ich doch, daß mein letztes stündlein geschlagen hatte, bis zu den schultern im sumpf versunken. allerdings kann ich der situation auch eine gewisse komik nicht absprechen, ich, ausgezogen, um den drachen zu töten, versinke kläglich in einem stinkenden sumpf, ohne auch nur die schwanzspitze dieses rosa monsters gesehen zu haben, ich bin etwas enttäuscht von meinem abenteuer.

nun seht ihr mich ja diese geschichte erzählend vor euch sitzen, ich muß da also irgendwie herausgekommen sein, werdet ihr denken, und in der tat ändert sich im nächsten augenblick die situation ganz entscheidend zu meinen gunsten, als ich nämlich sehe, wie eine junge, gut aussehende frau, wie sie in solchen geschichten ja meistens irgendwann aufzutauchen pflegen, selten allerdings in so dramatischen augenblicken zum ersten mal, aus dem unterholz hervortritt.

sie ruft zu mir halb feststellend herüber, ob ich auch einer von den drachenjägern sei, ich überlege einen moment, wäge meine antwort sorgfältig ab; immerhin möglich, daß sie der drache in einem besonderen angeregten zustand oder einer seltsamen verteilung ist, doch lasse ich diese these schnell in anbetracht meiner kritischen lage zugunsten einer anderen fallen: es wird die naturschützerin sein, deren funkkontakt abgebrochen ist. ich rufe also zurück, ich sei im moment nur hier, um mir ein bild von der lage auf dem planeten zu machen, nicht um den drachen zu töten, was sich eventuell auf basis der gesammelten informationen entweder als nötig erweisen werde oder auch nicht. ob sie mir nicht aus meiner mißlichen lage heraushelfen könne, das fände ich zumindest sehr nett von ihr. nun überlegt sie einen moment entweder ob oder wie sie mir helfen könnte, dann wirft sie mir jeweils ein ende zweier seile herüber, eines der anderen enden macht sie an einem baum fest, das andere behält sie in den händen. sie gibt mir die anweisung, das lose seil unter meinen armen durchzuziehen und das andere in den händen zu behalten und zu ziehen, während sie an dem anderen ziehen werde, so könnten wir gemeinsam vielleicht erfolg haben. ich hatte gar nicht gedacht, daß ich für dieses sumpfgebiet eine so große anziehungskraft habe, denn da wir beide nicht übermäßig kräftig sind, kämpfen wir eine ganze weile mit den elementen, wie uns scheint, bis ich genau wie sie völlig erschöpft neben ihr auf sicherem boden liege.

ich danke für ihre hilfe und lade sie in das raumschiff ein, zwecks reinigung und aufnahme einer funkverbindung. sie stimmt zu. wir sind jedoch beide so erschöpft, daß es noch eine weile dauert, bis wir aufbrechen. auf dem weg zurück zum raumschiff findet die gegenseitige vorstellung statt. ich berichte darüber, daß mich das parlament von poseixan wegen meines rufes als kluger und fähiger raumfahrer um hilfe gebeten habe, spreche meine weitgehend nur naiven kenntnisse der drakologie an. sie kenne mich dem namen nach, ich solle sie einfach kris nennen, meint sie und erzählt, was passierte, seit der drachenjäger nach ihr gelandet war. zuvor sei sie weder vom drachen noch sonstwem gestört worden, sie habe sich auch mehr für die anderen aspekte der biosphäre interessiert, als für den künstlich erzeugten drachen. nach der landung des drachenjägers habe sie aber auch dessen aktivitäten beobachtet. dieser sei auch sehr bald von dem sehr stabil erscheinenden drachen angegriffen worden, habe sogleich einen ziemlich primitiven drachennihilator gezogen und damit auf den drachen geschossen. dieser jedoch sei dadurch nur auf ein höheres energieniveau gehoben worden, und der so angeregte drache habe beim quantensprung in den grundzustand gezielt einen so hochfrequenten photonenstrahl auf den drachenjäger emittiert, daß sich dieser im gleichen augenblick in ein materiewölkchen aufgelöst habe, ebenso sei es kurze zeit später seinem raumschiff ergangen. ob der brutalität des vorgehens des drachens habe sie sodann ein gewisses haßgefühl diesem gegenüber nicht unterdrücken können, wenngleich der drachenjäger ja das gleiche mit dem drachen zu tun gedachte. auf jeden fall sei er dann kurze zeit später auch hinter ihr her gewesen, habe bald schon nahezu ihre gesamte ausrüstung inklusive ihres alten kleinen raumschiffes zerstört, sie habe sich währenddessen zu ihrem notlager in den bergen zurückziehen können. nunmehr dem sicheren tod ins auge sehend, habe sie keine angst mehr vor dem drachen gehabt, habe den drachen auch nicht mehr gehaßt, habe ihn stattdessen einfach akzeptiert und nur noch apathisch auf ihr ende gewartet, doch der drache sei fortan nicht mehr aufgetaucht, geradeso wie vor der ankunft des jägers. sie habe sich dann irgendwann wieder von den bergen heruntergetraut, schließlich habe sie daran denken müssen, daß ihre nahrungsnotration nicht ewig reichen werde, und sei dann ja eben auf mich gestoßen.

beim raumschiff angekommen unterziehen wir uns, verdreckt wie wir sind, erst einmal einer gründlichen reinigung, dann stelle ich das funkgerät an und teile der wartenden abordnung des parlaments von poseixan die aktuelle lage mit; ich hätte weit und breit keinen drachen gesehen, so daß ich auch keine informationen über ihn hätte sammeln können, die für die lösung des drachenproblems hilfreich sein könnten. ich sei lediglich beinahe in einem sumpf versackt, hätte mich nicht kris, die totgeglaubte naturschützerin, in letzter minute retten können. ich überlege, ob ich nicht zurückkehre. daraufhin kommt nach einiger zeit, welche die signale brauchen, um von planeten zu planeten zu gelangen, die antwort, man freue sich für mich und kris, daß es uns gut gehe, doch bäten sie mich, noch nicht aufzugeben, sie mit dem problem nicht im stich zu lassen, der drache müsse beseitigt werden, damit der planet besiedelt und kultiviert werden könne, weiter kann ich schon nicht mehr zuhören, denn draußen ertönt mit einem male ein ohrenbetäubendes brüllen, ich schaue hinaus und sehe den rosa drachen!

er stürzt auf das raumschiff zu! ich rufe kris zu, der drache komme, wir müßten fliehen, da erschüttert schon ein gewaltiger tritt des ungeheuers das raumschiff und macht es manöverierunfähig. ich ziehe kris zur außentür, betätige den öffnungsmechanismus. als die tür halb geöffnet ist, geht das licht aus, offenbar ist das bordsystem defekt, die tür stoppt mitten in der bewegung, wir zwängen uns durch den türspalt nach draußen und laufen. hinter uns hören wir abermals ein bedenkliches krachen, wohl ein erneuter tritt des drachens gegen das raumschiff, dann verfolgt er uns. wir laufen so schnell wir können, doch das monster kommt näher, hinter uns hören wir das verdampfen von büschen unter starkem strahlungsbeschuß. plötzlich stolpert die vor mir laufende kris und fällt, schreit vor schmerz auf, ist wohl mit dem fuß umgeknickt, kann nicht aufstehen, weiterlaufen, faßt sich nur mit schmerzverzerrtem gesicht ans fußgelenk. ihr sagt jetzt: typisch; doch selbst wenn ich sie jetzt an dieser stelle der geschichte nicht hätte stolpern lassen, der drache hätte uns sowieso kurz darauf eingeholt, und so ist das ganze doch viel dramatischer. bei ihr angekommen, bleibe ich stehen. sie bringt ihre empörung und ihren schmerz mit kräftigen, kurzen worten zum ausdruck. was tun, frage ich mich, was tun?

ich drehe mich um, sehe den drachen näher kommen, er zögert jetzt einen augenblick. das ist unsere chance, denke ich und rufe ihm zu: was willst du von uns und wer bist du. ihr werdet sagen, das ist nicht gerade originell, doch einmal ehrlich: in einer solchen situation muß selbst einem erfahrenen raumfahrer erst einmal etwas besseres einfallen, bevor er es aussprechen kann, mir zumindest fiel nichts besseres ein, und so blieb es bei dieser dummen frage. zu unserem erstaunen stoppt der drache aber wirklich, macht einen recht verblüfften eindruck, der unserem in nichts nachsteht, als er tatsächlich antwortet, er wolle uns töten, töten, töten! er sei der alles auf diesem planeten jederzeit und für immer vernichten könnende stabile statistische drache vigilius perniciosus, und wir seien jetzt gleich seine nächsten opfer! schon will er einen hochenergetischen strahlungsstoß nach uns aussenden, als ich ihm gerade noch mit einer frage zuvorkomme, ob er denn auf diesem planeten sei. mißmutig blinzelt mich der drache an, selbstverständlich sei er auf diesem planeten. ich denke an die Russellsche Antinomie und daran, daß statistische drachen im allgemeinen nur über einen naiven mengenbegriff verfügen dürften, also frage ich ihn, wenn er jederzeit alles auf dem planeten für immer vernichten könne, könne er sich dann jetzt im prinzip selbst vernichten oder nicht? erstaunt blickt mich der drache an, grübelt ein weilchen, murmelt: wenn er sich jetzt selbst für immer vernichten könnte, könnte er danach nichts mehr vernichten, könnte er es nicht, könnte er nicht jederzeit alles auf dem planeten für immer vernichten... dann weiten sich seine augen vor entsetzen, und er sucht mit einem fürchterlichen stöhnen das weite, woraus ihr lernen könnt, das statistische drachen paradoxien überhaupt nicht mögen.

dann ist er weg, wir sind erst einmal gerettet, ich helfe kris auf, und wir kehren zum raumschiff zurück. ihrem fußgelenk geht es bis zum abend schon wieder besser, und ich bekomme das raumschiff wieder so weit in gang, daß wir licht haben und das raumschiff mit der selbstreparatur beginnen kann. am nächsten morgen ist das raumschiff tatsächlich startklar, und ohne noch einmal auszusteigen, gehe ich damit zunächst einmal auf sichere entfernung zu dem drachen - auf eine niedrige umlaufbahn um den planeten. ich schalte den drachenzähler ein, und kris fragt, ob der drache etwa durch die paradoxie erledigt worden sei, der globale zähler steht jedoch nach wie vor auf eins, und lokal ist nichts erkennbar. also erkläre ich ihr, so leicht sei ein offenbar widerspruchsvoller stabiler drache nicht zu erledigen, noch einmal lasse er sich sicher nicht so leicht in die flucht schlagen, er werde sicherlich aus unserer begegnung gelernt haben und sich das nächste mal nicht mehr auf diskussionen einlassen.

was ich jetzt zu tun gedenke, fragt sie mich, ob ich etwa den drachen erledigen wolle, damit die poseixaner auch noch diesen planeten, wie sie es nennen, kultivieren können, oder ob ich ihn erledigen wolle, weil er es gewagt habe, mich anzugreifen. ich erwidere, das müsse ich mir überlegen, doch könnte ich mir eventuell sogar eine wirkungsvolle waffe gegen den drachen vorstellen, basierend auf den gemachten erfahrungen müßte man nur einen gewaltigen antinomierer bauen und damit den drachen aus sicherer entfernung beschallen, versehen mit einer epimenides-russell-therapie sei eine reelle chance gegeben, den drachen klein zu kriegen, ihn dann ungestört in einen potentialtopf zu packen und dort stabil zu halten, daß er nicht entkommen könne und in seinen grundzustand zurückkehren, wenn man ihn zum beispiel nach poseixan überführe, wo er nach eigenen angaben keine macht mehr habe. kris springt aufgeregt auf, wenn ich den drachen entfernte, sei das das ende dieses naturparadieses, welches offenbar seit der existenz des drachen nicht im geringsten unter ihm gelitten habe, aber unter dem einfluß der poseixaner im handumdrehen bis auf ein paar naturschutzgebiete zu tourismuszwecken zerstört wäre. alles müßten sie den eigenen ansichten darüber anpassen, wie ihre umwelt auszusehen habe, fühlten sich als herren ihrer welt, die sie sich nutzbar zu machen gedenken, statt auch anderes neben sich gelten zu lassen. ich sage nichts, sondern beginne mit dem rückflug nach poseixan. kris spricht kein wort mehr mit mir. über funk gebe ich durch, daß uns der drache angegriffen, das raumschiff beschädigt habe, wir also insbesondere wegen der schäden am raumschiff zurückkommen müßten. weiter gebe ich nichts durch, und nach ein paar stunden setzen wir zum landeanflug auf poseixan an, denn das raumschiff ist doch so stark lädiert, das fliegen mit maximaler konventioneller reisegeschwindigkeit nicht möglich ist.

bei der landung erwarten uns die abordnung des parlaments und einige umweltschützer. nach der begrüßung bitte ich jedoch auch kris, beim folgenden gespräch anwesend zu sein, und so ziehen wir uns mit der abordnung in einen konferenzraum zurück.

ich erkläre, daß ich keine anhaltspunkte dafür gefunden hätte, daß der drache irgendeinen schädlichen einfluß auf den planeten habe, zumal er im allgemeinen gar nicht lokal erfaßbar, sondern nur global vorhanden gewesen sei. ferner schien der drache intelligent zu sein, zumindest hätte ich mich kurz mit ihm unterhalten können, aus dem gespräch hätte ich schließen können, daß der drache nur sehr schwer, wahrscheinlich aber gar nicht zu besiegen sei. auch hätte ich den eindruck gewonnen, daß der drache nur etwas gegen die ansiedlung von zivilisationen auf dem planeten habe, denn erst bei der äußerung aggressiver absichten ihm oder allgemein dem planeten gegenüber, ob nun direkt oder über funk, sei er tatsächlich erschienen, um zu töten. die sache sei alles in allem eine frage der perspektive, die poseixaner wollten sich den nachbarplaneten untertan machen, wollten dem planeten den stempel ihrer zivilisation aufdrücken. mindestens mit ebensoviel berechtigung könne man es auch anders sehen, daß der mensch eben nicht der mittelpunkt der welt sei, 'die krone der schöpfung', wie es einmal eine religiöse vereinigung ausdrückte, für deren zwecke die welt allein da sei, sondern auch im eigenen interesse in einklang mit seiner umwelt leben sollte, statt sie als gegner zu betrachten. der drache verteidige letztlich in gewisser weise diese position, wenn er sich und die ihn umgebende intakte biosphäre gegen den das gleichgewicht der biosphäre zerstören wollenden menschen verteidige. wenn man poseixan ansehe, beziehungsweise, was die poseixaner aus ihm gemacht hätten, könne man das gut verstehen. die zivilisation werde zur bedrohung des nachbarplaneten, nicht der drache, der ihn im gegenteil in schutz vor der unheil bringenden intelligenz der poseixaner nehme. gerade als intelligente wesen sollten die poseixaner die relativität der standpunkte erkennen und vielleicht auch anerkennen, daß die biosphäre des nachbarplaneten auch ohne sie auskomme, sie hätten schließlich kein recht auf den planeten, weder seien sie aus seiner biosphäre hervorgegangen noch hätte ihnen wohl jemand versprochen, daß sie ihn besiedeln dürften - und wenn doch, sei dieser dazu nicht berechtigt gewesen. sie sollten einfach ruhe geben, den nachbarplaneten in frieden lassen und erst einmal die probleme für sich auf dem eigenen planeten lösen, statt sie durch expansion und imperialismus noch zu exportieren. ich jedenfalls würde nicht helfen, dieser sogenannten zivilisation den weg zu noch mehr zweifelhaftem einfluß auf eine bisher noch nicht durch menschliche intelligenz beeinträchtigte welt einzuräumen. ich werde den drachen weder töten noch möglichkeiten aufzeigen, wie man seiner herr werden könne. der mensch müsse nicht immer allem überlegen sein, sich alles untertan machen, den, der ihm nicht gefalle, beseitigen, der drache solle ihnen ein mahnmal sein, daß sie nicht alles könnten und es noch anderes neben dem menschen in dieser welt gebe. es sei keine lösung, irgendwelchen schwierigkeiten auf poseixan dadurch entgehen zu wollen, daß man den nachbarplaneten besiedele, das sei höchstens ein aufschub, irgendwann seien dann auch diese neuen ressourcen erschöpft, und man befinde sich wieder in der anfangssituation, eventuell noch mit potenzierten schwierigkeiten. sie könnten natürlich weiter versuchen, den drachen zu erledigen, davon könne ich sie im moment nicht abhalten, sehr viel sinn sähe ich in diesem vorhaben nicht, es sei lediglich schade um die anstrengung beziehungsweise bei einem äußerst unwahrscheinlichen erfolg iherseits um die noch völlig intakte biosphäre des nachbarplaneten, die sie zu zivilisieren und damit wahrscheinlich größtenteils zu verändern vorhätten, nachdem sie sie nach ihren maßstäben in erhaltenswertes und nicht erhaltenswertes eingeteilt hätten. wieder würden sie einer umwelt die eigenen werte aufprägen und damit genau zu den schwierigkeiten gelangen, die sie heute offenbar hätten, denn sonst hätten sie wohl kaum ein interesse daran, ihren einfluß auf den nachbarplaneten auszudehnen. ein weiterer aspekt dieser angelegenheit sei, daß sie doch wohl den universalen zivilisationenvertrag unterschrieben hätten, nachdem eine solche annexion eines belebten nachbarplaneten zumindest eine sehr fragwürdige angelegenheit sei. alles in allem sei ihr anspruch auf den nachbarplaneten überhaupt nicht nachvollziehbar, und wenn sie weitere anstrengungen in dieser richtung nicht unterließen, sollten die engagierten umweltschützer von poseixan auf jeden fall einmal die hilfsorganisation für unverschuldet in not geratene planeten alarmieren, die dann schon wüßte, was in solchen fällen zu tun sei und höchstwahrscheinlich eine einstweilige verfügung zur einstellung der aktivitäten erwirken könnte, bis endgültig ein verstoß gegen den universalen zivilisationenvertrag festgestellt werden kann und weitere manipulationen endgültig unterbunden werden können. deshalb werde ich den umweltschützern, hier durch kris vertreten, die entsprechenden informationen geben, wie diese organisation zu erreichen sei, falls es zu weiteren übergriffen komme, die sich schädlich auf den nachbarplaneten auswirkten. die verhältnisse auf poseixan seien ja leider ihr eigenes problem, doch könne damit wenigstens verhindert werden, das sie diesen destruktiven imperialismus noch auf den nachbarplaneten exportierten. damit hätten sie die erbetene hilfe und auch noch kluge ratschläge von mir genug bekommen.

ich stehe mit diesen worten auf, wie auch kris, und wir gehen. ich wünsche den abgeordneten noch einen guten tag, ich jedenfalls wolle mich jetzt ungestört erholen. draußen dankt kris mir für meine unterstützung, doch ich versichere ihr, daß ich der abordnung des parlaments wirklich nur die erbetenen ratschläge gegeben hätte, und gebe ihr die versprochenen informationen über genannte organisation. sie lädt mich kurzentschlossen ein, doch morgen mit ihr mitzukommen; sie hätte heute abend noch über ihren besuch auf dem nachbarplaneten zu referieren, für die folgende woche jedoch habe sie sich schon vor längerem für einen wachdienst auf einer unter naturschutz stehenden insel einteilen lassen, eine freundin habe sie schon wegen ihrem ausflug auf den nachbarplaneten vertreten wollen, doch nun sei sie ja doch wieder rechtzeitig und planmäßig zurück. es gehe um die bewachung von raubvögelgelegen sehr bedrohter arten in einer relativ einsamen gegend, einer großen, unbewohnten insel eben. garantiert ohne parlamentarier, ich könnte mich also bestimmt ohne weitere belästigungen erholen, zumal es außer ihren regelmäßigen rundgängen zur bewachung nicht viel zu tun gebe. ich bin einverstanden, und so fliegen wir am nächsten tag zu dieser insel. ich muß sagen, ich habe mich wirklich gut erholt und denke noch heute hin und wieder an die schöne zeit in dieser wunderschönen landschaft zurück.

bleibt noch zu erwähnen, daß ich vor meinem weiterflug von poseixan mein raumschiff sorgfältig untersuche, vor allem wegen der seltsamen effekte, die mich zum zwischenstop auf poseixan bewegt hatten. nach angestrengter sucherei entdecke ich tatsächlich eine kleines kästchen voller elektronik mit der aufschrift ASTRONOMERS, welches nach einigen manipulationen meinerseits sein programm abzuspulen beginnt. auf dem außenbildschirm des raumschiffs läuft nun die anfänglich schon beschriebene animation mit den sich zu buchstaben zusammensetzenden sternen und den permutierenden buchstaben ab. ich bin zunächst sehr erstaunt, dann geht mir jedoch ein licht auf. am ende meiner reise wieder bei agos angelangt bestätigt sich mein verdacht, ein paar alte freunde, finde ich heraus, hatten mir heimlich dieses gerät in das raumschiff eingebaut, da sie schon damit rechneten, daß ich beim rückflug viel länger ohne unterbrechung am steuer bleiben würde, als es eigentlich zu verantworten ist. deshalb koppelten sie den scherzartikel an den fahrtenschreiber, der ja auch die lenkzeiten registriert. so konnten sie mich im richtigen zeitpunkt zu einer durchaus sinnvollen pause bewegen.

und das ist auch etwas, was ihr euch unbedingt merken solltet: für die steuerung eines raumschiffs muß man immer seine volle aufmerksamkeit aufwenden und rechtzeitig angemessene pausen einlegen, sonst ist man plötzlich einen entscheidenden augenblick lang unaufmerksam und findet vielleicht längere zeit nicht aus seiner transformation in den empirischen raum zurück. ich nahm mir jedenfalls die warnung der freunde zu herzen und steuerte fortan mein raumschiff nicht mehr länger, als ich dem meine volle aufmerksamkeit widmen konnte.

soweit also zum drachenproblem, ich hoffe, daß ihr aus dieser geschichte etwas gelernt habt, und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, letztlich muß wohl jeder die wesentlichen dinge selbst erfahren, die übertragbarkeit von lebenserfahrungen ist sowieso begrenzt, so daß ich hoffe, daß euch meine geschichte zumindest vergnügen bereitet hat.

so, jetzt fragt ihr mich also wirklich auch noch, ob das alles wahr sei, was ich da erzählt habe, da kann ich nur sagen, daß ich kris wirklich sehr mochte, und ihr fragt mich, ob das alles wahr ist. zunächst ist es erst einmal eine geschichte. wenn ihr mir sagen könnt, was wahrheit ist, sage ich euch, ob sie wahr ist. auf jeden fall wird die geschichte dadurch, daß ich sie euch erzählt habe, zur realität. sie verändert vielleicht sogar euch und sei es auch nur, daß ihr einen moment lang gelächelt habt. wie könnt ihr also ernsthaft daran zweifeln, daß die geschichte wahr ist, zumindest ist sie jetzt realität.

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