Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Der Feenprinz und die Wäscherin
Ein Märchen für Jugendliche und Erwachsene

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 2014-01-22/27

Prinzen

Einst lebte in einem fernen, friedlichen Königreich ein junger, zarter, zierlicher und sensibler Prinz namens Paul. Er war der jüngere von zwei Brüdern und sein Bruder Günther der Kronprinz, anders als er ein stattlicher, mutiger, sehr männlich daherkommender Bursche, der richtig etwas hermachte in der Hinsicht, was man so üblicherweise von einem Prinzen erwartete. Doch beide waren von aufrichtigem, ehrlichem und wachem Verstande, aber auch gefangen in ihrem goldenen Käfig, dem Schloß mit all seinen Regeln und Zeremonien und Vorstellungen, was Prinzen eben so zu tun haben und wie sie zu sein hätten.

Paul hatte sich damit arrangiert, nicht der Tollste am Hofe zu sein, nicht gerade perfekt dem zu entsprechen, was man so gemeinhin von einem Prinzen erwartete. Er war nicht sonderlich heldenhaft oder stark und machte äußerlich nun auch nicht so viel her, daß ihm die Verehrerinnen zu Füßen gelegen hätten, noch verfügte er über den erforderlichen diplomatischen Charme eines Casanova, um all dies zu kompensieren und trotzdem zu beeindrucken. Und so lebte er so vor sich hin, ein wenig nachdenklich, manchmal etwas zu grüblerisch, doch eher ein Einzelgänger, der sich lieber auf sich selbst verließ als auf die Gesellschaft anderer.

Immerhin, sein Bruder Günther akzeptierte ihn und sie kamen gut miteinander aus, wenn Günther auch als Thronfolger bereits in die Regierungsgeschäfte mit eingebunden wurde und immer ordentlich repräsentieren, tagen und mitentscheiden mußte, während Paul meist eher Freizeit hatte, wo er auch gerne und oft las oder auch einmal entspannte. Er stand nicht so unter Beobachtung und hatte mehr Freiheiten, so daß ihm ab und an sein Bruder kräftig und männlich auf die Schulter klopfte und meinte: "Du hast es gut, daß der ganze Kram immer bei mir landet."
Paul knickte unter solch kräftigen Schlägen immer gleich ein wenig ein und erwiderte gerne: "Aber du machst das gut, viel besser als ich das könnte, so wie es ist, ist es schon richtig."
Und sein Bruder lächelte dann und ergänzte dann noch, wie gut es sei, daß er auch noch seinen guten und engen Vertrauten Adalbert habe, der ihm immer mit Rat und Tat zur Seite stehe. Dies war ebenfalls ein eindrucksvoller Mann von gleichem Alter wie Günther, strotzend vor Männlichkeit, daß es eine Pracht war.

Die Eltern seien ja auch schon älter, führte Günther seinen Gedankengang fort, zwangsläufig müßten sie wohl mehr und mehr Verantwortung tragen und die Bürde auf sich nehmen. Ganz vom Haken sei er also noch nicht. Und so bekam auch Paul immer wieder Aufgaben, die er sorgfältig und zuverlässig bearbeitete und erledigte und so seinen Teil dazu beitrug, die Bürde zu tragen, ohne sich dabei allerdings überfordert zu sehen.

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