Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Fetisch

Geschrieben: 2007-07-04/08

Was ist eigentlich ein Fetisch oder Fetischismus?
Ist es eßbar?
Wie kommt es dazu?
Wie verhält man sich dabei richtig und was sollte vermieden werden?
Wie ist das Leben damit?
Dazu eine kleine Geschichte...

Inga war noch zur Schulzeit sehr in einen jungen Mann namens Thomas vernarrt, den sie abgöttisch bewunderte. Diese Zuneigung war aber nur sehr einseitig. Nun, vielleicht war Inga zu dem Zeitpunkt auch äußerlich nicht herausragend attraktiv und oft auch noch ein wenig kindlich albern, um wirklich mit den ein oder zwei Jahre älteren Schulschönheiten konkurrieren zu können. Bedauerlicher Weise versuchte sie es trotzdem bei jenem Thomas.

Thomas war nun nicht nur desinteressiert an Inga sondern auch noch trotz des etwas höheren Alters zu kindisch, um mit Ingas Interesse fair umzugehen. Beliebt bei vielen an der Schule war er quasi einer der Platzhirsche und trug das auch gerne zur Schau. So jedenfalls lehnte er Inga nicht einfach ab, sondern machte sich auch noch über sie lustig. Und zwar übergab er Inga vor jolendem Publikum eine ganze Leberwurst als Ersatz für ihn mit einer eindeutigen Bemerkung, wo sie sie hinstecken solle, damit er endlich von ihr in Ruhe gelassen würde.

Einerseits war Inga zutiefst getroffen, andererseits war dies der Ursprung ihres Fetischismus. Jedenfalls hatte Inga mit der vom Begehrten geschenkten Wurst ihre ersten körperlich erfolgreichen sexuellen Erfahrungen. Letztlich entwickelte sich dabei ein gewisses widersprüchliches Verhalten, die Übertragung des Interesses an Thomas auf die Wurst und eine Ablehnung nicht nur gegenüber Thomas, sondern einer weiteren Abkapselung gegenüber Mitschülern in eine eigene Sphäre. Thomas hatte ihr kindliches Grundvertrauen in andere Menschen gebrochen. Gleichzeitig hatte ihr sein kostbares Geschenk eine Ersatzbefriedigung verschafft, die sie stark prägte. So hatte Inga bis ins Studium wenig Freunde, aber gelegentliche Lust auf Leberwurst. Wobei sie diese nicht einmal kulinarisch verwertete, weil sie in der Hinsicht nicht einmal Leberwurst mochte, was eine weitere Verkomplizierung der Situation darstellte. Die Verschmelzung zwischen Anziehung und Ablehnung hatte sich von Thomas auf die Wurst vollzogen und im Grunde haßte sie ihre gelegentliche nicht zu unterdrückende Neigung, ja zwanghafte Fixierung auf ganze Leberwurst.

Uwes Fetischismus basierte auf einer ganz anderen Begebenheit. Seine Jugend verlief weitgehend normal für einen durchschnittlichen Jungen, also bezogen auf Sex zuviel Autoerotik und nach seinem Geschmack zu wenig reale Kontakte zum anderen Geschlecht.

Nun, vielleicht hatte er mit der Einschätzung sogar recht oder aber er hatte es nicht besser verdient, denn bei der konkreten Umsetzung stellte er sich aufgrund persönlicher Phantasielosigkeit oder aber vielleicht auch gerade wegen fehlender ausgiebiger Erfahrung eher ungeschickt an, zu aufgeregt und zu schnell, zudem war der Kontakt zu oberflächlich, so daß er nicht in der Lage war, eine längere Beziehung zu halten oder einzugehen. Das Erlebte basierte auch nicht auf tiefer Zuneigung und innigen Gefühlen, sondern stellte mehr eine Triebbefriedigung seinerseits dar.

Uwes Schlüsselerlebnis kam hingegen überraschend wie ein Sommerregenschauer ohne Wettervorhersage in Form von Paula, einige Jahre älter als er und von unwiderstehlicher Ausstrahlung und faszinierendem Charme, so daß man sich fragen könnte, warum sie überhaupt Interesse an Uwe hatte, wenn dies nicht eine erfundene Geschichte wäre. Vielleicht lockte sie aber auch nur die Abwechslung und das Abenteuer. Andererseits sah Uwe nun auch wieder nicht so unattraktiv aus, daß das völlig unplausibel wäre.

Jedenfalls war es eine Zufallsbekanntschaft mit anschließender Verabredung. Paula war von Anfang an sehr dominant und unterschied sich deutlich von seinen vorherigen Bekanntschaften. Sie bestimmte, was passierte und Uwe hatte gar keine Zeit zum Nachdenken, zumal eine Umverteilung von Blut im Kreislauf zu dem Zeitpunkt zu leichten Mangelerscheinungen in Gehirn sorgten, was das Denkvermögen einschränken kann, während in anderen Körperregionen ein Blutstau auftritt, der zu einem immer wieder verblüffenden Effekt führt.

Bei jenem Uwe für immer prägenden Treffen hatte Paula jedenfalls Zwetschgen und Sahne dabei. Wie sie auf den Gedanken gekommen ist, ist nicht bekannt und auf Details des Liebesspieles soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sie hatte Uwe jedenfalls voll im Griff und zeigte ihm, was Phantasie ist und wie man sich über Stunden erotisch die Zeit vertreibt, ohne daß sich dabei der Blutstau vorzeitig abebbte. Das ist einerseits vollendete Qual und andererseits höchst vergnügliche Lust - und alles mit Zwetschgen und Sahne. Nun, als Uwe jedenfalls befriedigt wie nie zuvor und noch komplett erschöpft aufwachte, war Paula schon weg - ein nettes, prickelndes, verrücktes Abenteuer für sie, ein einmalig prägendes Schlüsselerlebnis für Uwe, der noch lange blieb, weil er hoffte, daß Paula wiederkäme, der noch nach Wochen im Hotel nachfragte, ob eine Nachricht für ihn hinterlassen worden sei. Aber nichts, Paula blieb spurlos verschwunden und - man ahnt es schon - Uwe versuchte sich fortan mit Zwetschgen und Sahne zu trösten.

Nun sind Zwetschgen als Fetisch insofern nicht unproblematisch, weil es sich um schlecht haltbares Saisonobst handelt, es eingemacht eine ganz andere Konsistenz bekommt und eingefroren nur schlecht für den beabsichtigten Einsatz geeignet ist. Auch Leberwurst ist in der Hinsicht natürlich nicht unproblematisch, wenngleich als ganze Wurst etwas stabiler. Inga bevorzugte aus nachvollziehbaren Gründen angewärmte Wurst, was sich natürlich auch nachteilig auf die Haltbarkeit des Fetisches auswirkt. Das sind die Nachteile von Nahrungsmitteln als Fetischen, es ist notwendig, immer wieder neue Fetische zu organisieren. Immerhin ist Leberwurst immer verfügbar, so daß Inga zumindest nie Mangel litt, zumal sie auch nur gelegentlich unwiderstehliche Lust auf Leberwurst verspürte. Uwes Situation war natürlich ungünstiger mit dem Saisonobst und seinem eher dauerhaften Bedarf nach frischen Früchtchen. Er versuchte es natürlich mit Abbildungen der begehrten Objekte, mit der schwachen Kraft seiner Vorstellung, alles in allem eher unzureichende Ersatzmittel für den eigentlichen Fetisch, den frischen Zwetschgen mit Sahne.

Gerade zur Zeit, als die ersten Zwetschgen des Jahres angeboten wurden, eilte Uwe nun mit den kostbaren Früchtchen durch den Supermarkt, er hatte gerade noch den letzten Korb erwischt, seine Hand krampfte sich um den Griff des begehrten Gutes, in der anderen trug er die ebenfalls so wichtige Dose mit Sprühsahne, qualitativ und objektiv für Zwetschgen nicht geradezu ideal, aber in seinem Szenario zwanghaft so vorgegeben.

Inga indes hatte einmal wieder zu lange gewartet in ihrem Ehrgeiz, von ihrer eigenartigen Neigung zur Leberwurst loszukommen und nun war das Verlangen doch wieder zu groß geworden. In einer Mischung zwischen Widerwillen gegen sich selbst und Sehnsucht nach dem intimen Kontakt mit der Wurst, eilte sie bereits mit diesem Fetisch durch die Reihen des Supermarktes auf die Kasse zu.

Beide trafen zusammen, also wortwörtlich, Wurst und Sprühsahne flogen durch die Luft, der Zwetschgenkorb diente als Puffer zwischen Inga und Uwe, die nach dem Zusammenstoß beide auf ihrem Hintern landeten. Die Zwetschgen hatten es noch ganz gut überstanden, doch Sahne und Wurst waren irgendwohin gekullert oder gerutscht, beide schauten sich hektisch um und suchten, ein Griff unters Regal und ein erleichtertes Stöhnen, fast gleichzeitig von beiden. Doch Inga hatte die Sahne in der Hand, Uwe die Leberwurst. Beide schauten sich an und griffen verbissen mit der jeweils freien Hand nach ihrem Fetisch in der Hand des anderen. Irgendwie erkannten sie plötzlich beide, daß die eigene Reaktion wie die des anderen viel zu aufgeregt und hektisch war, um normal zu sein. Jetzt umfaßten beide sowohl Wurst als auch Sahne, über die Zwetschgen gebeugt, schauten sich an, als sähen sie zum ersten Mal einen anderen Menschen. Sie räusperten sich und stotterten, bis der jeweilige Fetisch wieder ausschließlich in der richtigen Hand lag. Sie standen wieder auf und gingen sichtlich verlegen nebeneinander zur Kasse. Uwe schaute Inga an und fragte schließlich in der Schlange vor der Kasse: "Nur die Leberwurst?" Inga nickte verlegen und wurde ganz rot. Für Uwe war die Lage zu Ernst, um zu lachen, er schaute auf Zwetschgen und Sahne und dachte an Paula. Inga war zwar jünger, sah ihr aber durchaus ähnlich - und wie sie die Sahne in der Hand hielt, hatte Eindruck bei ihm hinterlassen. Auch Inga dachte nach. Abermals hatte ihr ein Mann die Leberwurst gegeben, doch diesmal nicht bösartig, sich nicht über sie lächerlich machend. Er wirkte ja auch ganz nett, sah ihrem Jugendschwarm auch ein wenig ähnlich, gut nicht ganz so athletisch, dafür reifer und sensibler wirkte er auf sie.

Sie beide meinten, man müßte ihre Gedanken hören können, ihre Gehirnwindungen knirschen hören unter ihren Überlegungen. Jetzt könnte, müßte man etwas tun, denken sie beide und wenden sich fast gleichzeitig einander zu und lachen verlegen. Diesmal versuchte Inga, das lose begonnene Gespräch wieder aufzunehmen und meinte, sie kaufe nur selten Leberwurst, wirklich ein dummer Zufall. Uwe erwidert, das seien die ersten Zwetschgen in der Saison, er sei froh, den letzten Korb hier im Markt erwischt zu haben. Sie lachen beide kurz und doch immer noch verlegen. "Kuchen für die Familie?" fragt Inga. Uwe schüttelt den Kopf, nein, also weder Kuchen noch Familie gibt er zur Auskunft. Das reiche dann aber ein paar Tage meint sie, er nickte, das hoffe er. Und die Leberwurst? Für die Familie? Diesmal schüttelte Inga den Kopf, also keine Familie, aber trotzdem eine ganze Wurst. Auch das reiche ein paar Tage, meint sie und errötet wieder. Nach der Kasse gingen sie raus und Uwe nickt mutig zu einem Café hinüber, ob sie noch etwas plaudern wollten? Trotz vorhandener Zwetschgen und Sprühsahne hatte er es gar nicht mehr so eilig. Auch Inga drängte es nicht mehr so und erfreut stimmte sie zu.

So plauderten sie also eine ganze Weile über den jeweils harmlosen Teil ihres Lebens, während Leberwurst, Zwetschgen und Sahne nebensächlich geworden zu sein schienen. Vom Café aus gingen sie weiter zum Park rüber und hindurch. Alle Eile war von ihnen abgefallen und sie lachten gemeinsam über Belangloses und fühlten sich wohl und doch etwas kribbelig. Sie saßen auf einer Bank und da riskierte Uwe alles und bot Inga eine Zwetschge mit Sahne oben drauf an - und wie begeistert war er, als sie annahm und ihm die Frucht aus der Hand aß, mit geschlossenen Augen das fruchtige Fleisch und die süße Sahne darauf genoß. Er wollte gar nicht aufhören, sie weiterzufüttern, bis sie kichernd abwinkte, genug erst einmal und nahm seine Hand mit der Zwetschge und führte sie zu seinem Mund. Nun genoß Uwe in doppelter Hinsicht, ihre zarten Hände, ihre Berührung und die Früchtchen und die Sahne fest in ihrer Hand. Recht geschickt agierte sie dabei schon. Sie schien da ein natürliches Talent zu haben, welches bislang dem männlichen Teil der Menschheit entgangen war, ein Talent anders als Paulas, weniger dominant, mehr forschend riskierend als sicher auftretend.

Auch Inga hatte daran sichtlich ihren Spaß, Uwe war lieb und gefiel ihr, ein netter Mann, mit dem sie reden und lachen konnte - und Zwetschgen mit Sahne im Park essen - ein bißchen verrückt, aber nur gerade so viel, daß es Abwechslung brachte, belebte, Vergnügen bereitete, jenseits des Alltags lag. Dann war auch Uwe satt und Inga tat es beinahe leid, daß nun doch schon so viele von den leckeren Früchtchen verschwunden waren, wo das doch für mehrere Tage reichen sollte. Uwe aber winkte ab, besser hätte er es gar nicht treffen können, grinste er frech. Und aus seiner Sicht hatte er ja recht. Es wären noch genug für den ganzen Abend da, doch das wagte er nicht zu sagen. Es war schon fast Abend und beide wollten sie sich wiedersehen und Inga wagte es, sie meinte, sie würde ihn gern zum Wochenende einladen, sie werde auch Zwetschgen besorgen, wenn er käme und ahnte gar nicht, was sie damit sagte. Uwe war geradezu sprachlos vor Begeisterung und nickte nur. Es lief wie von selbst. Scherzhaft fragte er noch: "Kuchen?" Sie nickte lächelnd den Kopf, gern auch das, aber mit Sahne und zusätzlich als ganze Früchte, wie sie es heute genossen hätten.

Die kommenden Tage waren beide ganz aufgeregt und aufgewühlt wegen des geplanten Treffens. Während Uwe sich an die verbliebenen Zwetschgen mit Sahne hielt, um sich über die Wartezeit zu retten, konnte Inga der Wurst nicht länger entsagen, im Gegenteil, durch das aufregende Treffen mit Uwe und das anstehende Wochenende erregt, wurde die Leberwurst unverzichtbar.

Uwe war pünktlich am Samstag zu Kaffee und Kuchen bei Inga. Danach zog es sie wieder beide in den Park, wo sie erneut plauderten und sich mit Zwetschgen und Sahne vergnügten, bis es vor erotischer Spannung regelrecht knisterte. Wie jetzt genau, ist gar nicht mehr zu sagen, aber irgendwann lagen sie sich in den Armen und küßten sich leidenschaftlich und heizten die Stimmung weiter an, eilten am frühen Abend zurück zu Ingas Wohnung und fielen übereinander her. Nun was kann man sagen, Uwe hatte von Paula eine Menge gelernt und es stellte sich heraus, daß es diesen Abend nicht nur um die Wurst oder die Zwetschgen und Sahne ging, obwohl letztere immer noch eine wichtige Rollen spielten, während sich die beiden heftig vergnügten.

Für Inga war das eine sehr gute Erfahrung, auch ohne Wurst genoß sie ihr Beisammensein. Ihr Verlangen steigerte sich durch die ausgetauschten Zärtlichkeiten und Uwes Aktivitäten, sie spürte, wie er auf ihre Bedürfnisse einging und das fühlte sich sehr gut an, wie er sie behandelte. Ihr Körper wollte die Entspannung schon, doch im Kopf ging es nicht, nicht ohne Leberwurst. Das quälte auch und so entschloß sie sich, etwas zu spielen, um Uwe wenigstens zu gönnen, was er sich so sehr verdient hatte.

Uwe war glücklich, zwar war es nicht seine Paula, aber Inga war wunderbar, so zart und begehrenswert, ging auf ihn ein, machte mit. Und was er von Paula gelernt hatte, wirkte auch bei Inga sehr gut, recht einfach fand er heraus, wie er auch auf Unterschiede gut eingehen konnte. So erfüllten sich aus seiner Sicht ihre Aktivitäten gleich in einem gemeinsamen heftigen Höhepunkt, nach dem sie sich eng aneinander kuschelten und sich beruhigend streichelten.

Es war ja schon Nacht, als beide sich ausruhten und Inga sogar etwas eingedöst war, ganz glücklich, doch fehlte noch immer die Erfüllung mit der Leberwurst. Sie versuchte trotz der noch immer vorhandenen inneren heftigen Unruhe, die Uwe noch so sehr verstärkt hatte, zu schlafen oder zumindest so zu tun, um Uwe nicht zu beunruhigen.

Uwe hatte schon geschlafen, erwache wieder und schlich aus dem Bett in die Küche, trank Wasser aus dem Hahn und suchte im Kühlschrank nach Eßbarem, fand die noch ganze Leberwurst, was ihn etwas erstaunte. Inga war ihm nachgeschlichen und beobachtete ihn mit liebevollem Blick, wie er suchte, es stockte ihr der Atem beim Anblick der Leberwurst in seiner Hand. Er bemerkte sie immer noch nicht. Trotz des Erstaunens über die ganze Wurst schmierte er schon Butter aufs Brot und wollte gerade die noch ganze Wurst anschneiden, als Inga plötzlich von der Tür her rief: "Nein!". Uwe schaute sie erstaunt an. Inga stotterte, die sei bestimmt nicht mehr gut, sei zu warm geworden und hätte zu lange gelegen. Zügig nahm sie Uwe das gute Stück aus der Hand, der sie ihr willig ließ, und Inga, noch ganz aufgewühlt durch das Liebesspiel und noch nicht ganz erfüllt, war ganz durcheinander, wo sie jetzt die Wurst in der Hand hatte, taumelte leicht schwindelig und stützte sich am Kühlschrank ab. Uwe stand auf, ging einen Schritt auf sie zu und fragte besorgt, was los sei, da brach es aus Inga heraus, nun ging es wirklich um die Wurst und sie erzählte alles, konnte es nicht mehr für sich behalten, war gleichzeitig aufgeregt, erregt und verzweifelt, gestand, was sie nie auszusprechen gewagt hatte und fühlte sich dabei gleichzeitig furchtbar und doch befreit, daß es raus war. Uwe aber konnte es nicht fassen, doch einen Augenblick nur, dann nahm er Inga fest in den Arm, die sich gern fallen ließ, erleichtert, nicht abgelehnt zu werden. Da flüsterte Uwe ihr etwas über Zwetschgen ins Ohr und sie verstand gar nicht, erst nicht, doch dann wurde alles klar und sie hielten sich fest und verharrten in ihrem gegenseitigen Geständnis, in ihrer verzweifelten Umarmung.

Es dauerte eine ganze Weile, bis es Inga wieder ganz gut ging, Uwe hatte sie zart liebkost und ermuntert und so ging es wieder und sie kehrten zurück ins Bett samt inzwischen lauwarmer Leberwurst und taten, was getan werden mußte, um Inga ganz zu erfüllen, um die Nacht auch für sie perfekt zu machen...

Das hätte auch böse für Uwe ausgehen können, mit einer Fleischvergiftung, und es wäre zu sehr peinlichen Fragen gekommen, so hatten sie gerade noch einmal Glück gehabt, Fetischismus kann gefährlich für Betroffene und das Umfeld werden und man kann sich nicht einfach davon befreien. Nun, was kann man mehr sagen, Inga und Uwe blieben zusammen und arrangierten sich mit Saisonobst und Wurst, hatten gegenseitig Verständnis für ihre Neigungen und hatten sie weitgehend im Griff. Sie kamen ganz gut klar und waren nicht mehr ganz so arg auf ihren Fetisch fixiert, ganz davon lösen jedoch konnten sie sich nie. Aber sie schafften es auch, etwas flexibler zu werden, wobei es nicht einfach ist, gute Leberwurstimitate zu bekommen oder professionelle Hilfsmittel, die einer Leberwurst nicht nur farblich ähnelten, sondern sich in Hand und Körper auch so anfühlten. Sie versuchten es trotzdem immer mal wieder mit verschiedenen Ansätzen und hatten viel Spaß sowohl bei der Beschaffung als auch beim Experiment selbst. Weil sie zusammen waren, klappte es auch ganz gut mit anderem Obst und Gemüse, auch anstatt Wurst, wobei sie vorsichtig mit Pflaumen allgemein oder speziell mit Mirabellen und Renekloden begannen. Auch Pflaumenmus erwies sich als nützliche und süße Spielerei, vorsichtig exklusiv oder zusammen mit Sahne auf verschiedene Körperteile aufgetragen und mit der Zunge wieder entfernt. Das alles machte auch Spaß, überbrückte entweder die Zeit, bis wieder Zwetschgensaison war oder lenkte etwas ab von der Leberwurst.

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