Der Prinz und der Gloeckner
Gedichte

Vielleicht

(1990-03-01)

Vielleicht möcht' auch ich einmal tanzen
Mit dir durch eine Welt voller Irrelevanzen
Doch mit einem garstig Aufbegehren
Wollen uns Realitäten den Weg verwehren
Ich zieh' aus dem Ärmel die Philosphie
Und verschwunden sind diese, als gab es sie nie
Drohte uns aber dann noch das wirkliche Leben
Hätt' ich kein Mittel, um dies Problem zu beheben
Ich lasse Phantasien aus mir herauseruptieren
Um sie dann nur mit flüchtigem Blick zu studieren
Eine neue Welt wie ein Möbiusstreifen
Weil sie nicht orientierbar ist
Kann sie keiner begreifen
Auch nicht mit Tücke und List
Sieh nur den Laplaceschen Dämon
Der dort indeterministisch schmollt
So etwas gibt es hier schon
Er hat es nicht besser gewollt
Und dort, schau, eine Delta-Funktion
Wie sie zittert vor dem Lebesgue-Integral
Der Erkenntnisdrang wird hier zur Obsession
In dieser Welt bleibt keine andere Wahl
Eine Abstraktion wird zur Realität
Ein Philosoph entrückt in die fünfte Dimension
Musik in der Ferne verweht
Irgendein Künstler hat einmal keine Vision
Ein Solipsist löst sich in ein Logikwölkchen auf
Man kann es kaum glauben, kann man wohl sagen
Seine letzten Worte waren dann kurz darauf
So kann ich nicht von hinnen, ganz ohne Klagen
Ein Nihilist stellt fest
Selbst er ist wieder wer
Das gibt ihm den Rest
Ist er doch gänzlich leer
Drei Menschen sehe ich auch
Augen, Ohren und Mund verschlossen
Aber mit vollgefress'nem Bauch
Von Politikern mit lauter Glück begossen
Vielleicht möcht' auch ich einmal tanzen
Mit dir durch eine Welt voller Irrelevanzen
Mit Leere im Auge
Und Nichts in der Hand
Ganz ohne Glaube
Und ohne Verstand
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