Der Prinz und der Gloeckner
Gedichte

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Die halbe Wahrheit

(2011-05-18)

Die halbe Wahrheit
kenne ich schon!
Die andere Hälfte
kannst du wohl behalten,
wenn du sie gefunden hast.
Vorangekommen sind wir nicht.
Gegen den Strom
ruderten wir zwar
im selben Boot,
aber in verschiedene Richtungen.
Ich beschwere mich nicht
über deine unbegrenzte Unmöglichkeit.
Beschwer du dich nicht
über meine begrenzte Möglichkeit.
Suchst du noch immer
nach dem Schatz am Ende des Regenbogens,
während ich doch schon längst
nach Sonnenuntergang die Erinnerung genieße?
Du sagst keins
der tausend Worte,
die ich auch nicht
in ein Bild bannen kann.
Deine Küsse
würden wohl immer noch
schmecken wie beim ersten Mal.
Aber das Prickeln
wäre doch nicht mehr dasselbe.
Die Schatten
ungesagter Worte,
peinlicher Mißverständnisse
verdunkeln
auch die Erinnerung
ein wenig.
Du vermutest doch noch
hinter jeder Ecke
irgendein Wunder,
aber da sind nur Silvesterraketenreste -
eine Assoziation vergänglicher
prachtvoller Illusion.
Zieh nur
wie der Regen
mit den Wolken fort...
Ich bleibe auf dem Boden
und warte
auf neuen Sonnenschein.
© Dr.O.Hoffmann@gmx.de