Der Prinz und der Gloeckner
Kunstgalerie

Alte Meister: Sigmar Polke...

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Sigmar Polke, geboren 1941 in Oels, Niederschlesien, gestorben 2010 in Köln, war ein deutscher Maler und Photograph. Sein recht kreatives Schaffen ist schlecht in eine Kunstschublade zu stopfen, kennzeichnend für sein Werk ist aber immer wieder die Auseinandersetzung mit der Rolle des Künstlers selbst und wie dieser zu seinen Kreationen kommt, auch die Kritik des Kunstbetriebs ist immer wieder ein wichtiges Thema.

Daß höhere Wesen Künstler erleuchten oder zu den Werken inspirieren, oder wie er es weniger poetisch formuliert, sie befehlen ein bestimmtes Bildmotiv, ist ganz charakteristisch für viele seiner Werke. Die hier gezeigten Variationen beziehen sich auf das daraus in seiner einfachen Struktur besonders herausragende Werk 'Höhere Wesen befehlen: rechte obere Ecke schwarz malen!'
Polke widmet sich hier also immer wieder sehr ironisch und selbstkritisch dem Bild des Künstlers und Kreativen. Gleichzeitig bleiben die höheren Wesen ziemlich im Dunkeln - was ist an diesen höher? Die Körpergröße? Elefanten? Giraffen? Wale? Und wie können diese Einfluß auf einen Künstler haben - dem naturwissenschaftlich gebildeten Menschen leuchtet das nicht ein, wenn diese Wesen nicht dabei gewesen sind, um den Künstler zu beeinflussen.
Gerade das eher profane Motiv entmystifiziert natürlich auch die Genialität der Inspiration und des Bildes vom Künstler an sich.
Gleichzeitig karikiert er aber auch recht naive religiöse Vorstellungen von nicht näher bezeichneten göttlichen (?) Entitäten, die direkten Einfluß auf unser Leben und Wirken hätten.

Beschreibender Text im Bild erinnert natürlich auch an René Magritte - bei diesem stand allerdings typisch die textliche Beschreibung im scheinbaren Widerspruch oder Konflikt zum Bildmotiv, hat aber letztlich deutlich gemacht, daß die abgebildeten Dinge nicht die Dinge selbst sind. Polkes beschreibende Texte geben eher eine scheinbare Auskunft über die Motivation, das Bild überhaupt zu realisieren. Haben die höheren Wesen aber auch befohlen, ins Bild zu schreiben, daß sie das Bildmotiv befohlen haben, oder entspringt dies einem Protest, dem Eigensinn des Künstlers, der aus Trotz den Zwang, den Imperativ der höheren Wesen offenbart, gleichsam in unregelmäßig gesetzter Schrift anprangert und beklagt. Der Text sieht wie ein erster Versuch eines Befreiungsschlages aus, ein Protest. Erst durch die Kenntnisnahme des scheinbaren Einflusses oder Zwanges wird es möglich, diese Diktatoren zu bezwingen und sich von ihnen zu befreien, vielleicht einfach durch eine Psycho- oder Gesprächstherapie. Der Anfang wäre jedenfalls gemacht, weil Polke bereit war, den Sachverhalt zu offenbaren. Was es natürlich gibt - die Raumzeit der allgemeinen Relativitätstheorie, die alles vorherbestimmt erscheinen läßt, aber auch als Gegenspieler, die Quantenphysik, die eine Vorherbestimmung ausschließt. Beide zusammen lassen jedenfalls in der Praxis keinen Raum für höhere, göttliche Wesen, die ins tägliche Geschehen eingreifen. Der Wille und die Entscheidungen des Menschen sind schon beschränkt, nur eben nicht durch den direkten, aber nicht meßbaren Eingriff irgendwelcher höherer Wesen.

Die hiesigen Variationen sind flexibler, bunt, bei einigen Bildtypen eine andere Form der Ecken, eine zufällige Gestaltung per Skript, welche den Künstler noch weiter in den Hintergrund drängt. Statt höherer Wesen bestimmt hier scheinbar der Pseudozufall des ausführenden Rechners, was präsentiert wird. Aber dies basiert natürlich wiederum auf einem Skript, welches von einem Menschen als Werk realisiert wurde. Da es nun wohl keine höheren Wesen gibt, die einen unmittelbar beeinflussen können, befehlen was man tut oder läßt, richten sich die Skripte hier natürlich auch nicht strikt an die vermeintlichen Vorgaben, die Skripte variieren freier um die Vorgaben, so stimmt der Text auch nicht besonders gut mit dem Bildmotiv überein. Die höheren Wesen sind ironisch entmachtet duch den programmierbaren Pseudozufall, sie werden profan und trivial zur künstlerischen Fiktion degradiert, wie im Grunde auch bei Polke, welcher sie durch die textliche Integration in das Werk zum Motivteil degradiert hat.

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Sigmar Polke

Bildbeschreibung

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